Bandini, Ditte [Editor]; Fussman, Gérard [Editor]
Die Felsbildstation Hodar — Materialien zur Archäologie der Nordgebiete Pakistans, Band 3: Mainz, 1999

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VORWORT

Innerhalb der großen Felsbildprovinz in den gebirgigen Nordgebieten Pakistans gehören die bei der Tal-
schaft Hodar am Nordufer des Indus liegende Ansammlung von Gravuren und die benachbarte Ruinen-
stätte Kino Kot zu den bedeutenderen Fundplätzen.1 Der Ort ist von Shatial in Kohistan, der westlich-
sten Felsbildstation am Unterlauf des Oberen Indus, etwa 40 km und von Chilas, dem Verwaltungszen-
trum des Distriktes Diamar, etwa 12 km entfernt. Vom Karakorum Highway ist die Talschaft Hodar über
eine befahrbare Hängebrücke zu erreichen. Der Ausgang des sich zum Indus öffnenden Hodartals wird
durch eine Höhensiedlung bewacht, deren ausgedehnte eisenzeitliche und mittelalterliche Ruinen heute
Patelo Kot genannt werden.2 Der hier verwendete Name Kino Kot geht auf Sir Aurel Stein zurück, dem
die erste Beschreibung des Ortes zu verdanken ist.3 Die Felsbilder konzentrieren sich auf dem Felsrük-
ken Halalosh, der sich südöstlich der Höhensiedlung bis zum Indus hinzieht und von dem ihn begleiten-
den Bergzug und dem Hodarbach eingerahmt wird. Wie in Shatial, Minargah oder Thalpan fällt die
Nachbarschaft der Felsbildstation zu einem Siedlungsbereich auf. Die Entstehung der meisten Gravuren
kann aus diesem Grund eher auf eine ansässige Bevölkerung und weniger auf Durchreisende zurückge-
führt werden.
Unter den prähistorischen Gravuren sind Tierbilder der ältesten in die Frühzeit datierten Stilstufe nicht
vertreten. Eine größere Gruppe umfaßt Darstellungen von Jagdszenen, stilisierten Tieren und Menschen,
die zum Teil auch schon in eine frühhistorische und eisenzeitliche Epoche gehören dürften. Die prägnan-
ten, einem heraldischen Motiv ähnelnden Löwenbilder stellen für die Felsbildstation Hodar ein besonders
charakteristisches Merkmal dar. Wie in dieser Publikation dargelegt wird, bleibt es allerdings zweifelhaft,
ob es den in Kino Kot residierenden Herrscherclan repräsentierte.
Mit 1.900 Gravuren gehört Hodar zu den großen Felsbildkomplexen am Oberen Indus. Im Vergleich zu
Oshibat mit knapp 300 und Shatial mit 1.100 Beispielen ist die Zahl der Inschriften auffallend gering. Au-
ßer knapp 200 Brähmi-Inschriften des 5. bis 8. Jh. sind nur eine in Kharosthl geschriebene, eine baktri-
sche und eine sogdische Inschrift zu nennen, woraus sich für den Ort ein Hinweis auf seine geringere ‘in-
ternationale’ Rolle ergeben könnte. Von einem eher lokalen Charakter der Felsbildgruppe zeugen auch
die buddhistischen Zeichnungen, die fast ausschließlich Stupas wiedergeben, während andere bildliche
Darstellungen auch herausragender Qualität wie in Chilas-Thalpan oder Shatial fehlen. Häufig sind die
als überwiegend nachbuddhistisch bezeichneten Abbildungen von Reitern, Äxten und Scheiben.4 Dieses
Bildrepertoire und die verhältnismäßig geringe Zahl an Inschriften kennzeichnet auch die benachbarte,
weiter flußabwärts liegende ausgedehnte Felsbildstation Domu Das, die von der nächsten Station Helor
Das durch eine große Schotterterrasse getrennt ist. Auf dem am flußaufwärts in östlicher Richtung nach
Thalpan führenden Weg folgt als nächster Felsbildkomplex Dadam Das.

1 Die Schreibung Hodur, die der Aussprache des Namens durch seine Bewohner folgt, ist heute geläufiger, z.B. DANI 1983:
190. Vgl. dazu BANDINI-KÖNIG unten S. 1, Anm. 1 und 4.
2 Siehe HAUPTMANN unten S. 101, Anm. 1.
3 Stein 1928: 13f.
4 BANDINI-KÖNIG unten S. 9 und 117ff.
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