Bartholomae, Christian; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1910, 11. Abhandlung): Über ein sasanidisches Rechtsbuch — Heidelberg, 1910

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Über ein sasanidisclies Kechtsbuch.

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hisn, der erst nach dem Einbruch der Araber entstanden ist; nnd;
selbstverständlicli; erst recht ftir die sasanidische Zeit ist das Caicar-
weib (ßan i calcar) nichts andres als eine Konkubine l, eine Neben-
frau; die mit beschränkten Reckten ftir sich und ihre Kinder neben
dem PätQxsäiiv?Qib stekt; der vollberechtigten Hauptfrau und Haus-
herrin (lyr)^ JcatciJcbänüJc). Eine Hauptfrau allein hat den Anspruch
auf lebenslängiichen Unterhalt durch den Mann; s. MhD. 32. 12 f.:
n*o )-*o i moV 2joo i,^ jo J ^ +2ji V + h (Pü 3! wiK» h *©m*o “V b Q)
pus täJi purnäy bavet duxt täJi sdö Jmnet san täJc zivandalc än i pä-
tdxsäJnJiä 2 x°arisn u clärisn „der Sohn ist; bis er volljährig wird;
die Tockter; bis sie heiratet; die Frau; solang sie lebt; — (d. h.) die
Hauptfrau — zu ernähren und zu unterkalten“. M 7as aber die Kinder
der Gakarhm. angeht; so sollen nur die männlichen in die Familie
aufgeiiommen werden nach Ön. 10. 21 und 12. 14; vgl. Wests Über-
setzungen SBE. 5. 325; 344 f. 3

" Was cakar — der Pazandist des Bundahisn liest

cugur, s. Antia Pazand Texts (Bombay 1909) 57. 17; 20 — eigent-
lick bedeutet; wird sicli kaum feststellen lassen. Neupersische Parsen-
texte haben teils caJcar, z. B. das Saddar Nasr; Kap. 54;
s. die Bombayer (1909) Ausgabe S. r=i; meist jedoch cäkar,
wofür die Wörterbücher die Bedeutung 'Knecht; MagxP verzeichnen 4.
Darauf beruht Wests Übersetzung von caJcar durch cserving wife’
oder 'handmaid 3; s. aber unten No. 1. Mir scheint. daß die Ersetzung-
von caJcar durch cäkar gar wohl auf eine Yolksetymologie zurück-
gelien kann; die der Gegensatz von -*ü-*oo* )<?e> )<y J zan i pätoxsä-
TiiJiä, worin pätoxsäJi Tierrscker’ (u. s. w.) steckt; und J $an
i caJcar kervorgerufen hat. caJcar und cäJcar machen beide den

1 West hat das SBE. 5. 323 richtig erkannt und ausgesprochen: „.. make
it more probable that a concnbine is meant“, aber er ist nicht darauf stehen
geblieben, wie die Note zu SBE. 18. 185 und die Übersetzung 'serving wife’
ebd. 189 erweisen.

" 2 Wörtlich: 'die (Frau) in Pätdxsälixct'. Wie pätaxsälnhä wircl auch

cakarihä 'in Cakarart’ auch joo-*öV^ geschrieben) attributiv gebraucht;

so MhD. 32. 15, 17 und N. 13. 14, 15, wo cakarihä als Bestimmung von pit
'Vater’, pus u duxt 'Sohn uncl Tochter’, frazand 'Kinder’, apurnäyik 'minder-
jähriges Kind’ erscheint.

3 Der Cod. Mon. Zend. 51 a bietet für die zweite Stelle (Sn. 12. 14) auf
Fol. 129 v 11 f. folgenden — nicht ganz einwandfreien — Text: >*oü)^

iif J i )eh" kuVk pp Jo ioa nei T ^»5 j j-5 -*oey V ,eJ 1 ,,eJ

osän kesän cakar pa zanih u frazand hacas zäyet än i nar ham pa
pusih be patiret xüp u än i ke mätak süt e nest. S. dazu W tests Übersetzung.

4 Sicher bezeugt ist das W 7'ort im Gabrl (ZDg.), s. ZDMG. 36. 66.

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