Bartholomae, Christian; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1910, 11. Abhandlung): Über ein sasanidisches Rechtsbuch — Heidelberg, 1910

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Chr. Bartholomae.

Wichtig für die Bedeutnngsbestimmimg ist auch die Stelle MhD.
97. 13tf.; wo es heißt: A-dA nej ns?Wr £ W i i'?Wr joh<«3) nej <?•#’

*V) A^ej) J i (/. ° /.) irWey jo) -YjNsey ^ i'for i£ ?m*ü

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5 Me>> .^ey ]M pa stürlh vimärt u pas hac vimärtan pa marharzän va-
romanä lcart büt he guft 1m än stürih be lcanisn u an mart i sa-
cähtar be vimärisn u büt Jce guft Jcu ne Jcanisn, Jca pa marJcarzän
eraxt aöaJcas x västaJc i ast Jiacas apär, d. i. „ Wenn er mit dem Pflegamt 1
betraut imd hierauf nach der Betrauung [damit] eines Hauptverbrechens
10 verdächtig geworden ist: es gibt [Rechtsgelehrte]; die gesagt haben;
es sei [alsdann] jenes Pflegamt aufzuheben und ein anderer würdigerer
Mann damit zu betrauen; und es gibt solche, die gesagt haben, es
sei nicht aufzuheben; wenn er [aber] wegen eines Hauptverbrechens
verurteilt sei; [dann] sei ihm das vorhandene Geld 2 abzunehmen“.
15 eraxt bildet hier doch offenbar einen Gegensatz zu varomand, das
die Bedeutungen Vweifelhaft’ (s. oben S. 17. 13) und Verdächtig 1 (so
auch MhD. 33. 12, wo j£A -X)")) iie) pa vinäs varomand Jcart, und
mehrfach MhD. 92) in sich vereinigt. — Der Präsensstamm zu eraxt
erscheint in doppelter Gestalt; die 3. Sing. Präs. lautet einmal uettA 3* 1
20 eraxtet (eine Bildung, wie sie auch bei dem gegenteiligen Yerbum
mehrfach bezeugt ist: i^ivrn buxtet, dazu auch n*cverp buxtisn); so
MhD. 7. 8; 102. 8; Sg. 3. 26 3; sodaun eranjenet MhD. 9. 4;

77. 10; wozu auch iror^W eranjenisn 8. 1, 9. 8; 102. 11, 12 gehört.
— Es verdient dabei bemerkt zu werdeip daß das Yerbum ganz wie
25 das lat. damnare und condemnare auch im Sinn von Verurteilen
lassen, die Yerurteilung durchsetzen' erscheint. wenn es vom Kläger
in Bezug auf den Beklagten ausgesagt wird; so MkD. 9. 3tf.:

*i>>3 [ J] "Ki j pDt) W ) wr^W ijtooi »o

^i - • • W JJ ‘VA + '?i jo ,i up W^ei £ -*(A W-*o Jo «3)iwn)

30 )voh)Mj W"ej Jca pasemär pa vastaJc sox vamh eranjenet u pcts paötäJc
bavet Jcu pesemär dätostän [i] droy x väst pesemär x västaJc is Jiac pa-
semär be grift +apäJc + bar is burt . . . o pasemär daJiisn „wenn er

1 Cura. Doch sind stür und stürih wesentlich weiter zu fassen als Curator
und Cura im römischrechtlichen Sinn; vor allem werden sie auch passivisch
gebraucht. Die Stellen mit stür und sturih — im MliD. und im Dd. — sind
sehr zahlreich und verlangten zur genauen Bestimmung des Begriffs eine zu-
sammenfassende Behandlung für sich.

2 Das ist das für die Pflegschaft ausgesetzte Geld; vgl. z. B. MhD. 45. 11:
)£)“ ''f’iivo J G J0 J)'S3) dü 15«3)**)” gpv 'f’4' ka oi mart x västak pasturihö man

dät lie „wenn dieser Mann das Geld zur Pflegschaft für mich ausgesetzt hätte“;
ferner 44. 4, 16, 45. 6, 47. 15 f., 49. 8, 50. 7, 12, 87. 9 u. a.

3 Wests grammatische Fassung und Übersetzung, SBE. 24. 126 ist falsch.
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