Bornkamm, Heinrich [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1956, 2. Abhandlung): Der authentische lateinische Text der Confessio Augustana (1530) — Heidelberg, 1956

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Der authentische lateinische Text der Confessio Augustana (1530) 7
keit für sich hat, bis zum Jahre 1569 im kaiserlichen Archiv in Brüssel
befunden. Am 18. Februar 1569 beauftragte Philipp II. den Herzog Alba
das Exemplar an sich zu nehmen und bei Gelegenheit nach Spanien mitzu-
bringen, damit es vernichtet werde. Ebenso sollte jede Kopie des „unheil-
vollen Werkes“ vernichtet werden* S. * 7. Der König wußte offenbar nicht, daß
die Augustana längst gedruckt war. Der Leiter des Archivs, der Präsident
des königlichen Geheimen Staatsrats in Brüssel, Viglius van Zwichem8,
war ein zäher Hüter seiner Schätze und machte Alba, wie dieser am
10. März 1569 an den König berichtete, mit der Herausgabe Schwierigkei-
ten. Wie aus einem Brief Zwichems an Joachim Hopper vom 1. Apr. 1569
hervorgeht, hielt er das Original besonders deshalb der Aufbewahrung
für würdig, weil dadurch den Protestanten ihre böswilligen Abweichungen
von ihrem Bekenntnis nachgewiesen werden könnten9. Es bedurfte eines
zweiten, ungnädig gehaltenen Befehls Philipps II. vom 15. Mai 156910.
Ohne Zweifel ist die Brüsseler Plandschrift daraufhin ausgeliefert und
wohl später vernichtet worden. Alle Nachforschungen nach ihr waren bis-
her vergeblich11.
Dagegen wissen wir schon seit längerem, daß Zwichem mehrfach Ab-
schriften des Brüsseler Textes hat herstellen und ihn zum Zweck des Ver-
gleichs mit gedruckten Augustana-Texten zur Verfügung gestellt hat.
Wilhelm Lindanus, Bischof von Roermond, berichtet in seinem Apolo-
geticum ad Germanos 1568, daß er das Brüsseler Original eigenhändig

7 Heine, Briefe an Karl V., gesdrrieben von seinem Beichtvater 1530—1532 (1848)
S. 13 f. Anm. Dazu Kolde, Neue kirdrl. Zeitschr. 17. 1906 S. 740ff. Hasen-
clever, Zeitschr. f. Kirchengesch. 29. 1908, S. 81 ff., 221 ff.
8 Vgl. über ihn Allg. Dt. Biogr. 39 S. 699—703 und die bei Schottenloher II,
S. 412f. V, 288 angeführte Literatur. Dazu neuerdings B. H. D. Hermesdorf,
Wigle van Aytta van Zwichem, Hoogleraar en rechtsgeleerd schrijver, Leiden
1949 und Rudolf Schulze, Der niederländisdie Rechtsgelehrte Viglius van
Zwichem (1507—1577) als Bischöflich-Münsterischer Offizial und Dechant von
Liebfrauen (Überwasser) zu Münster (Westf.) Westf. Zeitschr. für vaterländi-
sche Geschichte und Altertumskunde. 101/102. 1953, S. 183—230.
9 Illustrissimus Dux a me hisce diebus nomine Regis petiit Originalem Confessio-
nem Augustanam, anno MDXXX Caesari oblatam, quae meae custodiae ac
Archivo tradita erat dignaque omnino est, ut servetur, quo haeretici, qui postea
multa ei asperserunt, malitiae suae convincantur. Bruxellae Calend. Apr.
MDLXVIII ante Pascha. Hoynck van Papendrecht, Analecta Belgica (den
Haag 1743), I, S. 470. Vgl. auch CR 26, 222. Das Datum in dem Abdruck bei
Hasenclever S. 82 ist nach seiner eigenen Angabe, daß man in den Nieder-
landen damals noch das Jahr mit Ostern (1569: 10. April) begann, zu korri-
gieren.
10 Gachard, Correspondance de Philippe II sur les affaires des Pays-bas.
II. 1851, S. 63, 91. zit. bei Hasenclever, S. 82f.
11 Auch von den Übersetzungen ins Spanische, Italienische und Französische, die
auf Befehl Karls V. hergestellt worden sein sollen (Kolde S. 740f.), ist bisher
keine wieder aufgefunden worden.
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