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Maierhöfer, Isolde; Kloos, Rudolf M. [Editor]; Bauer, Lothar [Editor]; Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste [Contr.]; Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Österreichische Akademie der Wissenschaften [Contr.]
Die Deutschen Inschriften (Band 18 = Münchener Reihe, 6. Band): Die Inschriften des Landkreises Bamberg bis 1650 — München: Alfred Drückenmüller Verlag, 1980

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https://doi.org/10.11588/diglit.57393#0014
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2. Historischer Überblick

Die1 geschichtlichen Kräfteverhältnisse im heutigen Landkreis Bamberg werden bestimmt von den
Hochstiften Bamberg und Würzburg, dem Kloster Ebrach und der Reichsritterschaft. Das gesamte Gebiet
gehörte bis zur Errichtung des Bistums Bamberg 1007 zum Bistum Würzburg. Das Bistum und dann
HochstiftWürzburg reichte aber auch nach 1007 bis vor die Tore Bambergs, das an der Westgrenze seines
Sprengeis lag. Im äußersten Südwesten des Landkreises erinnert Großbirkach an die Zeit der von Fulda
und von Schwarzach ausstrahlenden Missionen.
Kloster Ebrach beherrscht mit seinem Güterbesitz und seinen nach Osten vorstoßenden Klosterämtem
Mönchhermsdorf und Burgwindheim den größten Teil des westlichen Zipfels des Kreisgebiets; es war
und blieb trotz allen Strebens nach Selbständigkeit ein mediates würzburgisches Kloster. Der Reichs-
deputationshauptschluß von 1803 führte jedoch unter den für den Verlust linksrheinischer Besitzungen an
Bayern fallenden Entschädigungsgebieten die Abtei neben dem HochstiftWürzburg eigens auf; da dies
im Sinne einer reichsunmittelbaren Stellung Ebrachs ausgelegt werden konnte, hatte Bayern die Möglich-
keit - Ironie der Geschichte! -, die Abtei förmlich zu säkularisieren. Zugleich war eine Handhabe gegeben,
das Abteigebiet gegen die Ansprüche des 1805 entstandenen Großherzogtums Würzburg zu behaupten.
Gleichzeitig war damit auch die Zugehörigkeit Ebrachs zur Landesdirektion Bamberg, später Oberfranken,
vorentschieden.
Würzburgisch waren ursprünglich auch die östlich an das Ebracher Gebiet anschließenden Ämter
Burgebrach und Schönbrunn, die erst 1280 und 1377/90 durch Kauf und Tausch an Bamberg kamen;
sie werden unten eigens behandelt. Würzburg hatte aber auch innerhalb des Bamberger Bistumssprengeis
über 1007 hinaus vor allem diejenigen Rechte behalten, die ihm an den von ihm gegründeten Eigen-
kirchen zustanden, namentlich das Kollationsrccht. Dies betraf etwa Amlingstadt, Buttenheim, Hallstadt,
Heiligenstadt, Scheßlitz und Seußling, die teils im Laufe der Zeit erst von Bamberg erworben wurden,
teils bis zum Ende des Alten Reiches in der Botmäßigkeit Würzburgs verblieben. Das gleiche gilt für die
Altzehnten und auch für eine Reihe von Zins- und Lehengütem.
Bamberg selbst konnte trotz reicher Gründungsausstattung erst in Jahrhunderten ein größeres geschlos-
senes Herrschaftsgebiet im Umland des Bischofssitzes aufbauen. Der vielschichtige Prozeß dieser Herr-
schafts- und Territorienbildung vollzog sich auf den Grundlagen von Rechten und Machtbefugnissen aus
der Grundherrschaft, aus Cent, Grafschaft (Radenzgau) und Vogtei, Steuer- und Wehrhoheit, Gerichtsbar-
keit und endlich im Überbau Landeshoheit.
Der grundherrliche Rahmen des Königsguts der Gründungsausstattung wurde entscheidend über-
schritten, als es Bamberg gelang, die Vogteirechte der Grafen von Abenberg nach deren Aussterben um
1199 einzubehalten. Diese Rechte bezogen sich im heutigen Kreisgebiet nur auf das Königsgut Hallstadt,
später Amtssitz, mit Geisfeld. Einen weiteren großen Schritt bedeutete das Aussterben der Herzöge von
Meranien im Mannesstamm 1248, womit wiederum ein großer Komplex von Grafschafts- und Gerichts-

1 Für einen historischen Überblick ist hier nur die wichtigste, weiterführende Literatur zu nennen. An erster
Stelle ist auf den von Hildegard Weiß bearbeiteten Band Stadt- und Landkreis Bamberg des Historischen Atlas von
Bayern, Teil Franken, Reihe I Heft 21, München 1974, hinzuweisen. Das klassische Werk von Erich Frhrn.
v. Guttenberg, Die Territorienbildung am Obermain, BHVB 79, 1928, kann ebensowenig unerwähnt bleiben wie
der Überblick von Wilhelm Neukam, Territorium und Staat der Bischöfe von Bamberg und seine Außenbehörden,
BHVB 89 (1948/49) 1-35. Für die politische und kirchliche Entwicklung ist grundlegend die Bearbeitung des Bis-
tums Bamberg von Erich Frhrn. v. Guttenberg und Alfred Wendehorst in der Germania sacra, II. Abt. Bd. 1, zwei
Teile, Berlin 1937 und 1966. Von Nutzen ist noch immer das Buch von Peter Schneider, Der Steigerwald in der
Gesamtschau (Mainfränkische Heimatkunde 11), Würzburg 1958, auf das hier stellvertretend für manche material-
reiche ältere Arbeit hingewiesen sei. Einige Orte sind im Handbuch der historischen Stätten, Bd. 7 Bayern, Stuttgart
1961, 2 * * * *1965 behandelt, einige der Burgen von Hellmut Kunstmann in den beiden Burgenbüchern, Die Burgen
der östlichen Fränkischen Schweiz (hier Schlüsselberg, S. 83-89), und Die Burgen der westlichen und nördlichen
Fränkischen Schweiz (hier Greifenstein, Heiligenstadt und Unterleinleiter) (Veröff. d. Ges. f. Fränk. Gesch., Reihe IX
Bd. 20 und 28), Würzburg 1965 und 1972, bearbeitet. Für einen Überblick über die kunstgeschichtliche Situation
des Gebiets und weit darüber hinaus ist unersetzlich die inventarartige Bearbeitung von Heinrich Mayer, Die Kunst
des Bamberger Umlandes (Die Kunst im alten Hochstift Bamberg 2), Bamberg T952. Hinzuweisen wäre auch auf
Tilmann Breuer, Bamberger Land. Aufnahmen von Ingeborg Limmer, in der Reihe Deutsche Lande deutsche
Kunst [München-Berlin 1965], und Joachim Hotz und Isolde Maierhofer, Aus Frankens Kunst und Geschichte.
Oberfranken, Lichtenfels 1970. Aus der reichen Literatur über Ebrach können nur erwähnt werden das Standard-
werk von Johannes Jäger, Die Klosterkirche zu Ebrach, Würzburg 1903, das Kapitel Ebrach bei Edgar Krausen,
Die Klöster des Zisterzienserordens in Bayern (Bayerische Heimatforschung 7), München-Pasing 1953 - hier auch
Schlüsselau, S. 84-86 -, und der Kurzführer, Die Pfarrkirche in Ebrach, bearb. von Wolfgang Wiemer (Kleine
Kunstführer 274), München und Zürich 7i9Ö4.

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