Schubert, Hans; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1916, 1. Abhandlung): Die sogenannten Slavenapostel Constantin und Methodius: ein grundlegendes Kapitel aus den Beziehungen Deutschlands zum Südosten — Heidelberg, 1916

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Wenn ich meinen Stoff den Beziehungen Deutschlands zum
Südosten Europas entnehme, so mache ich damit keineswegs nur
dem Bedürfnis des Herzens ein Zugeständnis, das in diesen Tagen
von den großen Entscheidungen der Gegenwart nicht ioskommt;
so sicher diese Entscheidungen ohjektiv von höchster historischer
Tragweite sind, so sicher ist alles, was auf diese Entscheidung
hingeführt hat und sie zu erleuchten geeignet ist, objektiv von
großer Wichtigkeit.
Das Iiapitel, das von den beiden sogenannten ,,Slavenaposteln"
handelt, Gonstantin oder, wie man gewöhnlich sagt, Cyrill und
Methodius, ist grundlegend für die Geschichte der bayerisch-
österreichischen Kulturmission donauabwärts, für ihre dauern-
den Errungenschaften und bleibenden Schranken, damit für die
Geschichte Ungarns, Serbiens und Bulgariens, für die Frage, wie
weit sich die südslavische Welt in die Kultur des abendländischen
Europa hineinziehen ließ und läßt. Dies Kulturproblem entfal-
tete und entschied sich an der Frage der Religion und der Sprache,
beides untrennbar verbunden. Welt-, Kultur- und Kirchenhistori-
ker sind an ihr ebenso mteressiert wie Philologen, Deutsche wie
Slaven, Römisch-kathohsche wie Griechisch-orthodoxe; Jesuiten
und russische Gelehrte, Wiener Akademiker und böhmische
Priester hahen sich damit befaßt. Die Literatur ist Legion^, aber
sie ist ein betrübendes Zeugnis für die innern Hemmungen, die
dem Historiker aus Partei, Konfession und Abstammung auch
unbewußt erwachsen. Der letzten Behandlung des Gegenstandes
durch den Berliner Slavisten ALEXANDER BRÜCKNER, die 1913
unter dem anspruchsvollen Titel ,,Die Wahrheit über die Slaven-
apostel" erschien, kann man Befangenheit im gewöhnlichen Sinn
nicht vorwerfen. Dafür steht hier die Selbstsicherheit in umge-
kehrtem Verhältnis zur Sicherheit der Methode. Da die tempera-
mentvollen Behauptungen über die sog. pannonischen Legenden
der beiden Männer als unsere ,,einzigen authentischen Quellen '
i Übersicht z. B. im Vorwort des gleich zu nennenden Buches von
BRÜCKNER, 8. 2ff.

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