Domaszewski, Alfred; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Hrsg.]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1920, 5. Abhandlung): Eine Urkunde bei Thukydides — Heidelberg, 1920

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Eine Urkunde bei Thukydides.
(7, 57, 2—6.)
Vor der Schilderung der letzten Seeschlacht in dem Becken
des großen Hafens von Syrakus gibt Thukydides eine Übersicht
der auf beiden Seiten kämpfenden griechischen Staaten. Seine
Absicht ist es, durch die Nennung dieser Völkernamen die Vor-
stellung zu beleben, daß in dieser Schicksalsstunde Streiter aus
ganz Hellas im Kampfe lagen. Zur Weite des attischen Seereiches
und der Größe seiner Machtmittel steht jedoch die Zahl und
Art der von Athen aufgebotenen Städte des Bundes in einem
seltsamen Widerspruch. Fast nur Aufgebote der Inseln des Aegae-
ischen Meeres sind genannt, und selbst diese nur innerhalb eines
engen Gebietes.
An der Spitze stehen attische Kleruchen: Λήμνιοι και Ίμβριοι
και Αίγινήται, οΐ τότε Αίγιναν είχον, και ετι Έστιαιής. Daran schließen
sich die untertänigen Städte: Έρετριής και Χαλκιδής και Στυρής
και Καρύστιοι άττ5 Εύβοιας ήσαν, από δε νήσων Κεΐοι και ' Avöpioi
και Τήνιοι; es sind die Athen zunächst gelegenen Inseln des Insel-
kreises. Dann folgen an der Küste Kleinasiens: εκ δ’ 'Ιωνίας
Μιλήσιοι και Σάμιοι και Χΐοι, diese als freie Bundesgenossen, ebenso
wie die Μηθυμναΐοι, hierauf die untertänigen Gemeinden, Τενεδιοι
και Αΐνιοι, endlich Ρόδιοι.
Es erscheint unmöglich, daß bei Thukydides das ganze Auf-
gebot des Seereiches während der Dauer des sizilischen Krieges
aufgezählt wäre. Denn für die erste Flotte, die unter Nikias’
Führung nach gewaltiger und ungestörter Rüstung gegen Syrakus
entsendet wurde, kann sich der Zuzug aus dem Untertanen-
gebiete nicht auf diese wenigen Städte beschränkt haben. Dagegen
sagt Thukydides von dem - Zuge des Demosthenes 7, 20, 2 και
νησιωτών δσοις έκασταχόθεν οιόν τ’ ήν πλείστοις χρήσασθαι. Die
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