Bartholomae, Christian [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1924/25, 6. Abhandlung): Zur Kenntnis der mitteliranischen Mundarten, 6 — Heidelberg, 1925

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X. Zu den ar, LiquidaSonanten.
Erste Abteilung.
1. Für das ar. f hatte die Göttinger Schule zunächst (1909)
uriran. ur angesetzt. Dem ai. purvyäh entspreche, so hieß es, gAw.
purviyo, dem ai. dirghäm gAw. dur^om, usw. Gegen diese Lehre
habe ich mich WZKM. 24 (1910). 139 ff. gewendet, jedenfalls
insoweit mit Erfolg, als jetzt nicht mehr aw. ur, sondern ur
als Vertretung des ar. ? genommen wird; „ob im Awesta dem f
vor Konsonanten ein ur oder ur entspricht, ist nicht zu ermitteln“x),
so bei Andreas ZU. 2 (1923). 227 No. 1. Vgl. im übrigen Andreas
NGGW. 1913. 365, 367, 371, 377 (, wo §ür^äxyu, pürviyoy), und
Lommel ZU. 1. 185 ff. ('Unters, über die Metrik des jüngeren
Awesta’).3)
2. Als Beweisstücke werden von Andreas ZU. 2. 227 No.
geltend gemacht: 1. die gAw. Schreibungen pourvlm, pouruyo -
ai. purvyäm, purvyäh, denen gegenüber solche wie paurvaßätdm,
darggdm = ai. purva0, dirghäm nicht aufkommen könnten; 2. jAw.
pdrdndm 'voll' = ai. purnäm. Dagegen habe ich zunächst einzu-
wenden: Selbst wenn es durchaus sicher stünde, daß mit den
Schreibungen in pourvlm, pouruyö und poronom ur gemeint sei, so
würde daraus doch noch nicht der Satz: ar. f — awest. ur abgeleitet
werden dürfen. Dem f geht überall die Labialis p voraus; wir
wissen aber doch aus dem Indischen, daß der vorausgehende Laut
für die Gestaltung des f von sehr wesentlicher Bedeutung war;
9 Ich meine, eine Quantitätsverschiedenheit in den Nachformen von
ar. r und r wäre bestimmt zu erwarten. Man könnte sich ja auf das Ger-
manische berufen, wo ur und ul die idg. LiquidaSonanten in beiden Quantitäten
vertreten. Allein der Zusammenfall ist hier doch erst eine Folge der laut-
gesetzlichen Kürzung langer Sonanten in der Stellung vor Klanglaut und
Konsonant; s. Brugmann Gdr* 2. 1. 802 f. Aber gerade dem Iranischen ist eine
solche — auch sonst ja weit verbreitete — Abneigung gegen überschwere Silben
der Art durchaus fremd; s. gAw. däis, gäus, därdst (darfst), mazantdm, usw.
2) Aber qurzoi 381, cikoiturs 383, zi^urzut 385, usw., alle mit ur für ara.
3) Lommel verfährt in seinen Wiederherstellungen arsakidischer Texte,
wie sonst (s. unten), so auch in diesem Stück ungleichmäßig; S. 217 steht
pürvo, ebcl. No. pürvö (so dreimal; was bedeutet 5?), 235 pürviyom; aber 200,
215, 227 lesen wir pürv0. Ferner steht 239, 240, 241 türv0, aber 198, 241 turv0.
Vgl. § 11a No. 3, § 17 No.

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