Metadaten

Ranke, Hermann; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1936/37, 3. Abhandlung): Grundsätzliches zum Verständnis der ägyptischen Personennamen in Satzform — Heidelberg, 1937

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.41990#0005
License: Free access  - all rights reserved
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Wer die Personennamen der alten Ägypter überblickt, der sieht
ohne weiteres, daß sie — von den Kurznamen und Kosenamen
abgesehen — formal in zwei Hauptgruppen zerfallen, in attributive
Bezeichnungen des Namenträgers und in Namen, die aus ganzen
Sätzen bestehen, und die, zu einem großen Teil wenigstens — wie
etwa wr-pth ,,(der Gott) Ptah ist groß“, nht-dhwtj „(der Gott) Thot
ist stark“, imn-m-pr-mw.t „Amon ist im Tempel der (Göttin) Mut“
— auf den Träger selbst keinerlei Bezug zu nehmen scheinen.
Die Namen der ersten Gruppe haben ihre Parallelen in allen
europäischen Sprachen und bieten unserem Verständnis meist keine
besonderen Schwierigkeiten dar. Sei es nun, daß sie profanen In-
halts sind und — um nur wenige Beispiele herauszugreifen — eine
körperliche oder seelische Eigenschaft des Trägers angeben oder ihn
nach seiner Herkunft oder nach seinem Beruf benennen; sei es,
daß sie eine religiöse Beziehung enthalten und ihren Träger etwa
als Diener oder Kind einer Gottheit oder als von einer solchen
gegeben, geschützt oder von ihr geliebt, gelobt usw. bezeichnen.
Die Namen der zweiten Gruppe, die ich kurz als „Satznamen“
bezeichnen will, sind dem alten Namenschatze der indogermani-
schen Sprachen fremd1. Daß ein Name, der doch die — ihn von an-
1 Unsere deutschen imperativischen Vornamen wie Fürchtegott, Traugott,
Gotthilf, Kreuzwendedich usw. (vgl. auch englisch Makepiece) bilden inner-
halb des indogermanischen Namenschatzes eine verschwindend kleine Gruppe.
Sie „kommen“ — wie mir Edward Schröder brieflich mitteilt — erst „nach
Mitte des 16. Jahrhunderts in den Pfarrhäusern Ostmitteldeutschlands (Thü-
ringen, Sachsen, Anhalt, Schlesien) auf“, und verdanken vielleicht den Satz-
namen des Alten Testamentes ihre erste Anregung. — Weit verbreiteter war im
Mittelalter eine andere Gruppe von Satznamen, die man vielleicht am besten
als Landsknechts- und Spielmannsnamen bezeichnet, und von denen manche
heute als Familiennamen in Europa fortleben, wie etwa deutsch Hebenstreit,
Hauenschild, Riefenstahl, Zuckschwert, Griepenkerl, Regenfuß, Preisendanz,
Störtebecker, Schmeckebier, Spannuth usw., französisch Taillefer, Baibure,
Prentout, Torchebeuf, Brisetete usw., italienisch Cacciaguida, Caccianimico,
Frangipani, Bevilacqua, englisch Breaksper, Shakespeare, Drinkwater, Love-
lace usw. Diese Namen, die zum Teil als Imperative, meist aber wohl als
Aussagesätze (vgl. O. Behaghel, Von deutscher Sprache [Lahr 1927], S. 228f.)
zu verstehen sind, sind — umsomehr, als entsprechende Nominalbildungen in
Satzform auch sonst in den europäischen Sprachen begegnen (vgl. unser Spring-
 
Annotationen
© Heidelberger Akademie der Wissenschaften