Petrikovits, Harald von; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Hrsg.]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1983, 3. Abhandlung): Die römischen Provinzen am Rhein und an der oberen und mittleren Donau im 5. Jahrhundert n. Chr.: ein Vergleich ; vorgetragen am 15. Januar 1983 — Heidelberg: Winter, 1983

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Harald von Petrikovits

ließ nach seinen Siegen der Jahre 486 und 487 einen Teil der Bevöl-
kerung aus dem Osten von Noricum ripense nach Italien abziehen.
Noricum mediterraneum blieb bis zum Ende der weströmischen
Herrschaft Reichsgebiet und wurde auch von Theoderich so behandelt.
Am längsten hielt sich die Raetia I, die eigentlich erst im 7. Jahrh.
von Alamannen besiedelt wurde und bis dahin die Geschicke Roms
und Norditaliens teilte.
Daß diese unterschiedlichen Schicksale der behandelten Provinzen
zu einem Teil durch die geographische Lage bedingt waren, liegt auf
der Hand. Diese war zum Teil geomorphologischer, teilweise geopoliti-
scher Art. Mit solchen in Zahlen einigermaßen ausdrückbaren Vor-
gängen, deren Ursachen auch teilweise verständlich sind, geht die
ethnische Veränderung nur zum Teil parallel. Natürlich bedingten
die Wanderungen von Ethnien auch Einmischungen fremder Völker
in die ohnedies nicht einheitliche Provinzbevölkerung. Wir haben auch
auf diesem bevölkerungsgeschichtlichen Bereich Unterschiede ken-
nengelemt: Die Rheinprovinzen und Flachlandrätien wurden frän-
kisch und alamannisch. In Churrätien erhielt sich überwiegend roma-
nisches Volkstum, sogar mit seiner Sprache. In Norikum hatte die
Romanitas Bestand bis zum Avarensturm, den nachrückenden Slaven
und dem Gegenschlag der Bajuvaren. Die Überschichtung der Roma-
nen in Pannonien durch Hunnen, Ostgoten, Avaren, Slaven und
Magyaren wird letzten Endes die romanische Bevölkerung auch eth-
nisch ausgelöscht haben. Auch sozial müßte diese Skizze noch diffe-
renziert werden. Wir haben erfahren, wie lange sich Romanen aller-
wärts in den größeren Städten gehalten haben. Die Städte waren als
Märkte für alle Ethnien wichtig, sobald diese seßhaft wurden. Daraus
entwickelten sich einige Zentralorte, in denen die jeweilige Regional-
oder Landesverwaltung ihren Sitz nahm. Bei alledem war die Nähe
oder Entfernung von Italien nicht ohne Bedeutung.
2. Geschichte der Gefäßkeramik
Wir möchten dem bisher behandelten siedlungsgeschichtlichen
Befund Erscheinungen der Gefäßkeramik im gleichen geographischen
Bereich und die einer bestimmten Kircheneinrichtung gegenüber-
stellen. Die Keramik des 5. Jahrhunderts ist bisher vergleichsweise
wenig untersucht worden. Es können darum nur einige bezeichnende
Züge hervorgehoben werden. Innerhalb der Gefäße einer Zivilisation
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