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Wolgast, Eike [Editor]; Seebaß, Gottfried [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Editor]; Kirchenrechtliches Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland [Editor]; Sehling, Emil [Bibliogr. antecedent]
Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts (2. Band = 1. Abtheilung, 2. Hälfte): Die vier geistlichen Gebiete (Merseburg, Meissen, Naumburg-Zeitz, Wurzen), Amt Stolpen mit Stadt Bischofswerda, Herrschaft und Stadt Plauen, die Herrschaft Ronneburg, die Schwarzburgischen Herrschaften, die Reussischen Herrschaften, die Schönburgischen Herrschaften, die vier Harzgrafschaften: Mansfeld, Stolberg, Hohenstein, Regenstein, und Stift und Stadt Quedlinburg, die Grafschaft Henneberg, die Mainzischen Besitzungen (Eichsfeld, Erfurt), die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen, das Erzbisthum Magdeburg und das Bisthum Halberstadt, das Fürstentum Anhalt — Leipzig: O.R. Reisland, 1904

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https://doi.org/10.11588/diglit.26561#0105
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14. Kirchen-Ordnung des Bischofs von Naumburg-Zeitz. 1545.

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kinder ahne und wider irer eltern wissen und '
willen sich heimlich und leichtfertig in ehestand
verloben, gestraft werden.
Allerlei offentliche laster als ehbruch, hurerei,
armer gesunder leute mussiggang, wucher, doppel-
spiel, und dergleichen sollen auch in keiner christ-
lichen gemeine geduldet werden.
Was den pfarhern, kirchendienern und gots-
heusern ein ider schuldig und pflichtig zu geben,
solchs sol, wen es vertaget und fellig worden, in
einer zimlichen zeit, als ungeverlich, vier oder
sechs wochen aufs lengste auf einen bestimpten
tag den pfarhern und dienern zu nutz und guten,
getreidich, und sunsten weltlichen bezalung, erlegt
und gereicht werden, und nimand verstatet, den-
selbigen an iren zustendigen gutern, einkommen
und besoldungen etwas abzubrechen, welche aber
die bestimpte zeit an der bezalung seumig und
sie darzu durch geburliche hulfe der obrickeit
zubefugen, ursach geben wurden, dieselben sollen
auch die aufgewante kosten erlegen.
Einem idem pfarher und kirchendiener sol
sein kirchspiel seine behausung mit aller zu-
gehorungen notturftiglichen erbauen und anrichten,
das daran kein mangel sei, und welchem pfarher
solchs zu einem mal dermassen noturftiglichen an-
gerichtet und eingereumet wirdet, der sol es, so-
viel die tegliche besserung in dachungen, öfen,
fenstern sampt anderm flickwerg betrift, von dem
seinen fortan erhalten, so ofte aber und wen es
die notturft erfordert haus und erbgebeu zuthun,
oder etwas von neuen zuerheben, solchs sollen zu
allen zeiten die kirchspiel zuthun verpflichtet [sein].
An welchen enden die pfar zu unterhaltung
vom ackerbau das mererteil haben mussen, da sol
dieselbige gemeine durch die kirchveter und andere
darzu insonderheit verordenten zu ider zeit dem
pfarhern raten und helfen, damit solcher acker-
bau zu geburlicher zeit die notturft gebauet und
bestalt werden, auf das die pfarhern in dem nicht
gemuhget und die pfarren verwustet werden. Do
aber solchs von den kirchvetern und andern dazu-
verordenten seumlich nachbliebe, welchs ein ides
jar in der kirchenrechnung angezeigt werden soll,
so sollen umb solche seumnis und nachlessigkeit
dieselben kirchveter oder andern darzugeordenten
mit ernst gestraft werden, wurde aber die ganze
gemeine in demselben seumig erfunden, und irent-
halben die pfarguter verderben, und wuste werden
lassen, als dan sol die gemein den pfarlehen dar-
gegen gleichmessige erstatung zuthun gewiesen
werden.
Ein ides kirchspiel sol ein deutsche biblia,

die postillen, catechismum gross und klein, gesang-
buchlein und heuptarticel d. Martini, locos comunes
d. Philippi, die wittembergische agenda und die
summarien Viti Theodori uber das alte und neu
testament keufen und bei den pfarhern fur und
fur erhalten werden.
Allerlei ehesachen, es sei das ehegelubde,
verbotene gelied oder anderlei gefel halben sollen
die gemeinen pfarhern sich entschlahen und die-
selben an die verordenten superattendenten weisen,
die es dan furder im fal der notturft an unsern
gnedigen hern dem bischof sollen gelangen lassen.
Desgleichen sollen die pfarhern auch allerlei
anderer weltlichen hadersachen sich enthalten, die
laster auf der canzel vermoge des heiligen got-
lichen worts in gemeine und alleine zur besserung
strafen nicht aus eigener und eiler1) zanksucht
die leute mit ausgedrückten namen schmehen und
hohnen, es weren dan die laster so gar offentlich
am tage, das sie auch ahne des pfarners rugen
iderman kuntlich, so die pfarher in irem predigen
die laster dergestalt, wie itzt gemelt, strafen, der-
wegen sol sie niemants anfechten oder beleidigen.
Do aber daruber imands seinen pfarhern mit
worten oder thetlich beschweren wurde, der sol
nach gelegenheit seiner verwirkung mit ernst am
leibe und guete gestraft werden.
Die kirchendiener eines iden orts sol die
gemeine mit rath und zuthun der pfarhern an-
nehmen und erlauben, und allewege aufsehen, das
zu solchen ampt erliche und tuchtliche personen
gebraucht werden. Denen sol man auch iren lohn,
wie vor alters gehabt, und inen itzt weiter ver-
ordent worden, ahne abbruch vollig reichen und
pflegen.
Von einkommen und vorath der gotsheuser
sollen die kirchveter eines iden jars in beisein
irer ordentlichen obrickeit und des pfarhers rech-
nung thun und mit nichte verstattet werden, die
kirchguter zu entwenden, und an andere wege
dan zu der kirchen noturft zugebrauchen.
Was die kirchen aussenstehende schult haben,
sollen eingebracht und do sich dieselbigen in etwas
tapfer summa erstrecken, der kirchen zugut auf
ein jerliche nutzung angelegt werden, darzu die
ubrigen unnotigen ornaten und kleinoten mit rath
und wissen der obrickeit und pfarhers auch ver-
keufen und das gelt den gotsheusern zu nutze aus-
gewant werden sol.

1) Zerbst Nr. 20: eitler („eiler“ ist offenbar Schreib-
fehler).

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