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Sellner, Harald [VerfasserIn]; Eberhard Karls Universität Tübingen [Grad-verleihende Institution] [Editor]
Klöster zwischen Krise und correctio: monastische "Reformen" im Hochmittelalterlichen Flandern — Klöster als Innovationslabore, Band 3: Tübingen, 2016

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.48960#0373
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5. Die correctio der Abtei ab 1136 369

Bernhard von Clairvaux betont, ist es naheliegend, dass beide direkt oder indirekt
Anteil an diesen Ereignissen hatten.1486 Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Herkunft
Abt Walters. Seine Verbindungen mit Tournai und dem Kathedralkapitel mögen ein
Grund für seine Wahl gewesen sein. Ein anderer darf aber sicherlich auch in seiner
monastischen Herkunft gesehen werden. Das Kloster von Saint-Amand gehörte
nachweislich zu jenen Klöstern, die sich 1131 zum Generalkapitel in Reims versam-
melt hatten und in den 1130er Jahren, wie das Beispiel der Abtei von Lobbes zeigt,
eine mitunter aggressive Personalpolitik betrieben.1487 Eine besonders aktive Rolle
spielte dabei die Abtei von Anchin, die, wie Hermann betont, stets äußerst eng mit
Saint-Martin verbunden war, aber auch ihr ehemaliger Abt Alvisus, der inzwischen
auf dem Bischofsstuhl von Arras saß. Vanderputten konnte zeigen, dass Alvisus
und die Abtei von Anchin einige der umliegenden Klöster einer strengen Kontrolle
unterzogen. Lietbert von Marchiennes, Abt einer Gemeinschaft, die ebenfalls in
sehr engem Kontakt mit Anchin stand, fürchtete so beispielsweise examina futura
und legte daher sein Amt 1141 lieber nieder.1488 Ein ganz ähnliches Szenario ist im
Falle Saint-Martins ebenfalls denkbar. Hermanns Abbatiat fällt genau in die Zeit, in
der sich der zelus religionis der abbates comprovinciales in der Gegend fassen lässt.
Sein Scheitern als Abt und die offen zu Tage tretenden Mängel klösterlichen Lebens
waren daher Anlass genug, dass sich nicht nur das klösterliche Umfeld, sondern
auch die abbates comprovinciales für eine correctio der Gemeinschaft unter Abt
Walter aussprachen.
5.1. Veränderungen in der Lebensweise
Die Vita Hugonis legt großen Wert auf die unter Abt Walter vorgenommenen Ver-
änderungen der klösterlichen Lebensweise, an denen auch Hugo beträchtlichen An-
teil hatte. So bemerkt der Verfasser: »Daher schreibt man es bis zum heutigen Tag
dem Verdienst Hugos zu, dass man durch die Verbindung eines gesunden Kopfs
mit den übrigen Teilen des Körpers in diesem Haus wie in früheren Zeiten Gott
diente, und dies mit derselben Hingabe und vielleicht mit einer noch weit strenge-
ren Lebensweise.«1489 Unter Abt Walter habe Saint-Martin wieder zu altem Glanz
zurückgefunden. Hugo begann nämlich mit einigen anderen, wie er es bereits zuvor
1486 Vita Hugonis, c. 16, S. 342-346.
1487 Siehe dazu oben S. 30-35.
1488 Siehe dazu oben Anm. 1031.
1489 Vita Hugonis, c. 13, S. 336: »Unde et usque hodie ipsius meritis imputatur quod sano capite et ceteris
membris sibi bene coherentibus, servitur nunc Deo in domo illa sicut in diebus antiquis pari devotione
et forsitan ordine districtiori.«
 
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