Domaszewski, Alfred; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1925/26, 1. Abhandlung): Die Phalangen Alexanders und Caesars Legionen — Heidelberg, 1926

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Alfred y. Domaszewski:

Vereinigung der Haeduer mit Vercingetorix zu verhindern, wo er
in 26 Stunden 50 römische Meilen zurücklegte.
Solcher Leistungen sind die durch jahrzehntelange Kämpfe
gehärteten Truppen fähig gewesen unter solchen Führern.
Einen Maß stab für die normale Länge eines Tagmarsches gibt
die römische Ordnung. Vegetius 1, 9 militari gradu XX milia pas-
suum horis quinque dum taxat aestivis conficienda sunt. Pleno autem
gradu, qui citatior est, totidem horis XXIIII milia peragenda sunt1.
Demnach wird man auch bei den Macedonen die Entfernung von
160—200 Stadien als die Länge eines Tagmarsches betrachten
dürfen.
Dagegen ist es eine äußerste Anstrengung,wennAlexander bei der
Verfolgung des Darius mit der Reiterei in einer Nacht 400 Stadien
durchmaß, Arrian 3, 21, 9 Sl£a9-Lv Ss tt)<; vuxtcx; CTaSloup ec, Tsrpa-
xoclou q.

III. Die Taktik der Entscheidungsschlachten.
Die allgemeinen Grundsätze für die Verwendung der Waffen-
gattungen in der Schlachtlinie sind höchst einfacher Art und bleiben
in den drei Schlachten dieselben. Die Phalangen stehen in der Mitte,
an sie schließen sich nach rechts die Hypaspisten an; am rechten
Flügel stehen die macedonischen Reiter; am linken die Griechen
und Odrysen. Die Leichtbewaffneten stehen normal nicht in der
Schlachtlinie, sondern sind zur Unterstützung der Reiter bestimmt.
Die rechtsstehenden Phalangen folgen dem Angriff der vom König
geführten Hypaspisten und macedonischen Reiter; die links stehen-
den Phalangen schließen sich an den linken Reiterflügel an, gleich
ihm zur Verteidigung bestimmt.
Wie dieses Schema den ganz verschiedenen Voraussetzungen,
die die Anordnungen des Gegners in jeder Schlacht schufen, durch
die Gliederung im einzelnen sich anpaßt, darin zeigt sich der tiefe
Rlick des Feldherrn. Um sie richtig zu würdigen, muß man sich
vor Augen halten, daß Alexander stets die größte Vorsicht in der
Anlage der Schlacht mit der äußersten Kühnheit in der Durch-
führung verband. Auch ist die Vorstellung völlig zu verbannen,
als seien die Perser verächtliche Gegner gewesen, die durch einen
Reiterstoß einfach überrannt wurden.

1 Vgl. auch Philologus 69, 327.
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