Güntert, Hermann; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1932/33, 1. Abhandlung): Labyrinth: eine sprachwissenschaftliche Untersuchung — Heidelberg, 1932

Page: 9
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1932_1933_1/0015
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
Labyrinth.

9

,F. läua- erhielt zunächst im Nominativ im Griechischen sein -ς, und
vom Nominativ ist das s dann durchgeführt worden, so daß sich
ein σ-Stamm herausbildete, als das fremde Wort griechisch ein-
gekleidet wurde. Die Länge λα- muhte sich im Griechischen wegen
des späteren Digamma-Ausfalls weit über das ursprüngliche Ver-
hältnis ausbreiten, insofern ein Genetiv λαός, ein Dativ λάι aus
*λα/ασ-ος, *λα/ασι entstanden ist. Aber Formen wie κραταί-λεως
«hartsteinig, felsig» (Aesch. Ag. 666) und die Ableitung ύπο-λάις,
ύπο-λήις «Grasmücke» (eigtl. «unter Steinen hausend») zeigen die
Länge -ληο- aus ältestem *lauo-. Urgriechisch Heu- anzusetzen, scheint
mir wegen λεύω «steinige», λευστήρ, έλεύοθην kaum nötig, da λεύω
doch aus jonisch-attisch λή/ξω und dies aus urgriech. Häu-jö ab-
leitbar ist.1 Hesychs λιώδης- λιθ-όλευστος ist verderbt und unsicher.
Die Glosse ληβόλε' λιθ-οβόλε, άξιε λιθ-ασθ-ήναι zeigt λη- aus vor-
griechisch Ια-, λαυ-παίκτης steht keineswegs für λαο-, sondern hier
ist die alte Wurzel lau- noch unmittelbar bezeugt, die in Λαΰρον,
Λαύρων, ή Λαύρα auf Samos und in *λά(./')-ας «Stein» erweitert
vorliegt. An sich wäre übrigens eine e-Stufe keineswegs unmög-
lich, da Ablaut e : a in «kleinasiatisch-pelasgischen» Wortstämmen
öfters vorkommt. Gegen altindogermanischen Ablaut aber spricht
der auf die Stammsilbe gefesselte Akzent sowie die Isoliertheit des
Wortes, vom Indogermanischen aus betrachtet. Dah in l<x{F)α-ς
das ς erst von den Griechen zugefügt ist, beweist der Name Λά;
somit kommen wir auf ägäisch läua- und läuar-, lauur-. Wie nun
Herbig (IF 37, 167) gezeigt hat, sind gerade solche Doppel-
formen mit und ohne r im Suffix bezeichnend und be-
weisend für vorindogermanische Mittelmeer-Wörter.
8. Beweist so die Sippe von λάας, daß neben lauci(r) auch läua(r) «Stein»
vorkam, dann hat es viel Wahrscheinlichkeit, die vielen Ortsnamen mit der Stamm-
silbe Aäp- hier anzureihen, wie vor allem Λάρισα, jonisch Λήρισα, womit offen-
bar viele Steinburgen aus der vorgriechischen ägäischen Kultur benannt wurden,
von der makedonischen Grenze an über Mittelgriechenland bis nach Kleinasien.
Schon wegen des Suffixes können, wie man längst weiß, diese Namen nicht indo-
germanischer Herkunft sein. Der Grenzfluß zwischen Achaja und Elis heißt
Λάρισος, das bedeutet «Steinbach». Dabei stand eine Burg mit dem bezeichnenden
Namen Τείχος, und darin war ein Tempel der Athena Λαρισαία (Pausan. 7,17,5).
Λαρισαΐαι πέτραι lagen an der Küste zwischen Methymna und Mytilene auf Lesbos.
Wie sich auf der Burg Lcirisa in Argos ein Tempel der pelasgischen Multergott-

1 Vgl. freilich thessalisch Λήρισσα neben sonstigem Αάρισσα und das lykische
leprij[askkci, falls es zu lafyra gehört (s. u. § 19). Vielleicht auch lydisch Αέ-ρη
ακτή (Strabon 633; Buckler Sardis VI, 2, 94).
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften