Güntert, Hermann; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1932/33, 1. Abhandlung): Labyrinth: eine sprachwissenschaftliche Untersuchung — Heidelberg, 1932

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Hermann Güntert:

heit befand, so wurde hier auch ein Ζευς Λαροσαΐος verehrt, der wieder nicht
vom Ζευς Ααράσιος der Stadt Tralles getrennt werden kann. Ein Apollon Ααρι-
σηνός ist uns aus Ephesos bekannt, von einem λίθος Αάρτιος ist auf einer Marmor-
säule von Ialysos auf Rhodos die Rede (IG XII, 1, 677 = Schwyzer dial. Graec.
exempl. Nr. 284, S. 138). Den Stamm lär- wird man sich aus *läuar-, lauur-
«Stein» kontrahiert zu denken haben, und trifft dies zu, so sehen wir hier in ein
Stück vorgriechischer, pelasgischer Lautentwicklung, die jedenfalls vom phone-
tischen Standpunkt so einleuchtend wie möglich ist.
II.
1). Auf italischem Boden begegnet uns unser Stamm *laua-,
erweitert *lauur- «Stein» zunächst in Lava (italien. lava, franz. lave
«Lava», dial. — also einheimisch — «flache Steinplatte», prov. lavo
lauvo «flacher Stein», limusin. lavencho «Steinfliese»), das nicht aus
λαας «Stein» unmittelbar entlehnt sein kann\ sondern die diesem
zugrunde liegende «ägäische» Form mit Digamma und ohne Nomi-
nativ -ς (vgl. ή Λα) darstellt. Lava belegt uns die s-lose, nicht
durch r erweiterte Form unmittelbar und bestätigt den Zusammen-
hang des Wortsinnes mit Berggestein. Auch Lawine stellt man nicht
zu lateinisch labi, sondern wegen des Suffixes gewiß mit Recht zu
unserem lava «Stein»1 2; es ist ein «Alpenwort», vgl. savoyisch la-
venche (<f *lav-inca, *lavanca), franz. avalanche «Lawine». Sodann
fügt sich ohne weiteres an lau-tumiae «Steinbrüche, Steingruben»,
mit demselben Stamm wie griech. λαυπαίκτης (s. o. § 7); lätomiae
ist natürlich das griechische λα-τομίαι.. Und weiter bieten sich lausa
«Steinplatte», lausiae «Steinstücke», zwei inschriftlich bezeugte Fach-
wörter der Bergmannssprache. Aus dem Griechischen sind diese
Wörter bestimmt nicht entlehnt, sondern wohl auf italischem Boden,
wie Lava, bezeugte, ursprünglich vorindogermanische Worte; mög-
lich bleibt Entleimung aus dem Keltischen.
10. Den Stamm lauar- möchte ich in dem Namen der Göttin
Laver-na wiederfinden, die am Aventin in Rom verehrt wurde und
eine Schutzheilige der Diebe war.3 Ursprünglich haben wir es hier
mit einer Unterweltsgottheit zu tun; sie gehörte zu den inferi, denen
mit der linken Hand gespendet wurde, wie sowohl literarische Über-
lieferung (Septim. Seren, frgm. 6 Baehr.) und eine Weihschale mit
einem geflügelten Eroten, der die Opferschale in der Linken hält
1 Daran zweifelt mit Recht gegen Nigra Arch. glottol. italiano 14, 284
Gamillscheg Französ. et. Wb. 554.
2 Meyer-Lübke Rom. et. Wb. 4807; Gamillscheg aaO. 61.
3 S. dazu Latte-Fiesel PWRE 212, 1, 1924, 998.
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