Güntert, Hermann; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1932/33, 1. Abhandlung): Labyrinth: eine sprachwissenschaftliche Untersuchung — Heidelberg, 1932

Page: 15
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1932_1933_1/0021
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
Labyrinth.



«Spitzhammer des Steinhauers» (aus *laus-enk- «zum Behauen der
Steinplatten dienend»); denn in diesem Wort treffen wir ein
modernes Gegenstück zu der kleinasiatischen λάβρυς an. Auch dies
Wort spricht vom Bergbau.
17. Formen mit r, die uns ja besonders wichtig sind, liegen in
den gallischen Namen Laurio vor, wie Töpfer heißen, die gestempelte
Sigillata lieferten; auch auf zwei Tonfässern in Pompeji ist der Name
des Töpfersklaven Laurinus (CIL X 8047, 9 Laurini | Pinniaes) ein-
gestempelt. Laurins ist der Verfertiger von Tonbildchen und Ton-
lampen von Sardinien (CIL X, 8336, 2 add.), und Lauro war ein
Sigillatatöpfer, dessen Erzeugnisse in Worms und am Neckar (R.otten-
burg) belegt sind (CIL XIII, 10010, 1124/5). Daß in dieser Weise
Hersteller von Steingut mit Ableitungen von einem Stamm laur-
benannt sind, wird man nicht dem Zufall zuschreiben dürfen. In-
wieweit die vielen keltischen Namen Lauriäcum als Zeugnisse für
unseren Stamm laur- «Stein» herangezogen werden können, macht
einige Schwierigkeiten: einmal könnten von dem Personennamen
Laurio unmittelbar die Ortsbezeichnung stammen («Gehöft, Fabrik
eines Laurio»); zudem kann auch laurus «Lorbeer» da und dort
hereinspielen. Aber in der Mehrzahl der Fälle glaube ich doch, daß
Lauriäcum zu unserem Steinwort gehört. So, wo es sich, wie bei
dem alten Lauriäcum, heute Lorch bei Enns in Oberösterreich um
eine große Festungsanlage handelt1 oder um eine «Zelle», eine
Klosteranlage, wie im Kloster Lorsch bei Worms (vgl. griech. λαύρα,
russ. Icwra oben § 4). Es gibt übrigens auch zwei Ortsnamen Lauro
in Spanien; der eine gehört einer weinberühmten Stadt zwischen
Sagunt und Valentia, die Sertorius i. J. 76 v. Ghr. eroberte. Gerade
wegen des Weinbaus hat diese Deutung aus laur- «Gestein» Wahr-
scheinlichkeit. Das andere Lauro, heute Lora in der Provinz Sevilla,
bei dem Sex. Pompeius getötet wurde, dürfte deshalb iberisch sein,
weil es auf Inschriften mit der Vorsilbe 0- erscheint (O-lauro), die
aus anderen iberischen Namen bekannt ist (z. B. Lisboa : O-lisipo).
Die Lage eines Laurum im Bataverland (nur in Tab. Peut.) ist un-
bekannt, so daß sich hier die Deutung als «Steingebiet» nicht
weiter stützen läßt.
Das alte, vollstufige *lauar- aber liegt dem französischen Namen
des «Blaufelchens», lavaret, savoyisch lavare, zugrunde, wozu man
wissen muß, daß der Fisch auf Steinkies laicht. So haben denn

1 S. Näheres darüber bei Fluss PWRE 212, 1, 1017.
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften