Güntert, Hermann; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1932/33, 1. Abhandlung): Labyrinth: eine sprachwissenschaftliche Untersuchung — Heidelberg, 1932

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Labyrinth.

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19. Es ist allgemein bekannt, daß manche Wörter aus ägäisch-
vorgriechischen Sprachen und Mundarten nicht zwischen Tenuis
und Media unterscheiden (vgl. z. B. phok. βρύτανις neben πρύτανις);
wir müssen also gewärtig sein, neben labur- auch *lapur- zu finden,
ohne daß es bei unserer höchst dürftigen Kenntnis dieser ägäischen
Mittelmeer-Sprachen heute etwa schon möglich wäre, für solche
Lautübergänge die genauen Dialektgrenzen anzugeben, wie es in
gröbsten Umrissen Fick versucht hat.1 Wir beginnen mit dem Bei-
namen, den die Dioskuren in der Bergfeste Las, der «Steinfeste»,
am Taygetos führen: Λαπέρ-σα, Λαπέρ-σαι, Λαπάρ-σιοι. Der Name
kommt nun auch in einem Sophokles-Fragment vor (Nr. 871 N2),
wo das α kurz gemessen wird, und somit ist es unmöglich, Λαπέρ-σαι
unmittelbar auf λά- «Stein» zu beziehen. Vielmehr ist *laper- die
Seitenform von Hauur-, labur-, laber-. Wie wir nun weiter aus
den Scholien Lykophr. 1369 wissen, hatte Agamemnon einen Tempel
im lakonischen Demos Λαπέρ-σαι und hieß daher Λαπέοσιος. Dann
hat man diesen Agamemy^on Lapersios mit Zeus gleichgesetzt (vgl.
den Ζευς (Ιτράτιος von Mylasa und den etruskischen lavran, oben
§ 11), und daher ist Λαπέρ-σιος auch Beiname des Zeus gewesen
(Wide Lakon. Kulte 6. 333. 337, Kock PW, RE2 12, 1, 763;
A. B. Cook Zeus, A study in ancient religion II, 599ff): auch eine
sagengeschichtlich nicht unwichtige Tatsache. Bei Lactant. inst. I,
22 ist von einem Tempel für Jovi Laprio die Rede, und dieser
Juppiter Laprius leitet weiter zu dem Απόλλων Λάφριος und der
Λάφρια, einem wichtigen, späteren Beinamen der Arteynis. Den
Griechen lag die Lautgruppe λαπρ- nicht; sie kommt in ihrer
Sprache überhaupt nicht vor, und somit ist die ikspirata in
λάφρια schon allein Ergebnis der griechischen Lautsubstitution, be-
günstigt durch Volksetymologie, die teils an ελαφρός, έλαφος, teils
an λάφυρον denken ließ. Zudem ist Wechsel von Tenuis und Aspirata
im Westägäischen, nicht in kleinasiatischen Mittelmeer-Sprachen
bekannt, z. B. Fraisos: inschriftl. φραισο-, sogar kretisch κυφάρισος
= κυπάρισσος. Aber wie schon Herbig (bei Kroll PW, RE2, 12, 1,
767) hervorgehoben hat, ist Laphria ein vorgriechisches Wort;
namentlich der phrygische Name Λαφρ-ηνός mit seinem ewo-Suffix
ist beweisend. Dazu kommen die lateinisch-etruskischen Formen
Lafur-ius, Lafr-eotio-s, Lafria, Lafrenus (W. Schulze Eigennamen
1 Auf der lykischen Xanthosstele begegnet neben lafira (s. o. § 6) die Form
leprij[askka, die offenbar enge damit zusammengehört; dazu im Lydischen die
Weiterbildung laprisa- «Steinwand» (s. o. § 6).
Sitzungsberichte der Heidelb. Akademie, phil.-hist. Kl. 1932/33. 1. Abh.

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