Güntert, Hermann; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1932/33, 1. Abhandlung): Labyrinth: eine sprachwissenschaftliche Untersuchung — Heidelberg, 1932

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Labyrinth.

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neupersisch tabar «Axt». Den kürzeren Stamm ohne r-Suffix sehe
ich in kleinasiatisch τάβα (Steph. Byz.) «Stein, Fels», das in nasa-
lierter Form in albanisch tivip, tinibi «Fels» und im Namen des be-
rühmten Felsentals τά Τέμπη vorliegt. Näher stehen noch die Orts-
namen Tabae, Τάβαι, auf Sizilien einerseits, Τάβα!. in Karien und
Lykien andrerseits. Formen mit r aber finden wir in Ταβάρνα (bei
Magnesia am M.) und im Namen Tabur-nus (Vergil Georg. II, 38).
Auch latein. taber-na «Wohnraum» könnte mit dem Grundsinn
«Steinhöhle, Steingemach» angereiht werden. Damit man die von
mir für πέτρα aus Hepra angenommene Metathese nicht zu kühn
finde, muh ich hervorheben, daß es im Griechischen kein Wort
mit der Anlautsilbe tep- gibt: dieser Gesichtspunkt, den wir
(oben § 19) bereits für *lapr- hervorhoben, scheint mir grundsätz-
lich wichtig zu sein: unwillkürlich mußte ein so feinfühliges Volk
wie die Griechen ungewohnte Lautverbindungen und Silben in
solchen Fremdwörtern umformen, bis sie in gewohnte, «eingeschlif-
fene» Lautgruppen gewandelt waren. Die Anlautsilbe πετ- dagegen
war, ebenso wie λαφ-, in heimischen Wörtern wohl vertraut.
27. Weiter sei καμάρα «Gewölbe» genannt, latein. camera;
camurus «gekrümmt»; das Wort ist mit kretisch Καμάρα, Κάμιρος,
karisch Camisares, rhodisch Κάμφος, etruskisch Camars (Liv. X, 25),
Camers, Camertes, Camarine, umbrisch Camerinum zu verbinden
(s. W. Schulze Lat. Eigennamen 140, Lattes Ind. less. etr. 206,
Ribezzo Riv.-indo-gr.-ital. 4, 89). Dazu aber stellt sich altisländ.
hamarr «Fels, Klippe», also auch gerrnan. hamar (in ahd. hamur,
ags. hamor usw.) «Hammer», eigentlich «Steinbeil» (s. o. § 5);
die Sippe von lit. ahmuö, lettisch ahme ns, altindisch asman-, awest.
asman- «Stein, Himmel», griech. ακμών ist davon zu trennen und
macht ja auch einer Ablautkonstruktion die größten Schwierig-
keiten. Weiter schließt sich an die Sippe aber auch κάμινος «Töpfer-
ofen» an. Sind doch Namen für Tonwaren, wie κέραμος (vgl. das
karische Dorf Κέραμος und das Suffix -αμο-), δέπας «Becher»,
κάνθαρος «Becher», άρύβαλλος «Schöpfgefäß», λήκυθος «Öl»- oder
Schminkflasche» (vgl. maked. Ortsname Λήκυθος), λέβης, λεβηρίς
«Becken, Schale» (vermutlich zu Laberius und massiliotisch λεβηρίς
«Kaninchen», also zu leb- neben lab- «Stein»), κι.σσύβί.ον «Trink-
gefäß» (zu γίσσα, s. u. § 29), κελέβη «Becherart», υρχη «Topf» gegen
latein. urceus, urna (aus urcnä) nichtindogermanischer Her-
kunft (vgl. noch oben § 18 über die Töpfernamen Laur(i)o und
Laberius). Von unserem ham- «Stein» stammt ferner als «Alpen-
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