Wolgast, Eike [Editor]; Seebaß, Gottfried [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Editor]; Kirchenrechtliches Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland [Editor]; Sehling, Emil [Bibliogr. antecedent]
Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts (5. Band): Livland, Estland, Kurland, Mecklenburg, Freie Reichsstadt Lübeck mit Landgebiet und Gemeinschaftsamt Bergedorf, das Herzogthum Lauenburg mit dem Lande Hadeln, Hamburg mit Landgebiet — Leipzig: O.R. Reisland, 1913

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Kurland.

zum leben hindurch gedrungen, und Apoca. 14.:
Selig seind die todten, die in dem herrn sterben.
Zum letzten, eins christlichen eivers, zu
streben mit einem bestendigen, christlichen glauben
und gottseligen leben, im guten gewissen, nach
der kron der ewigen gerechtigkeit, 2. Timot. 14.,
Apoca. 2.: Bis treu bis in den tod, so wil ich dir
die krone des lebens geben, zu welcher uns ver-
helfe Christus, des lebens fürst, mit dem him-
lischen vater und heiligem geist, gelobet in ewig-
keit, amen.
Das zwei und zwenzigste stück und
letzte theil der ceremonien von col-
lecten.
Es sol sich niemand unterstehen, nach seinem
eigen gefallen, sonderliche collecten zu machen
und in den kirchen zu gebrauchen, sonder aus
der rijgischen oder wittenbergischen ordnung solche
collecten nemen und in ublichem gebrauch für dem
altar bei den kranken und begrebnus stetes hand-
haben, als es die gelegenheit der zeit und für-
stehende not der christenheit erfürdert, ut omnia
decenter et ordine ad aedificationem fiant.
Das vierde stück christlicher kirchen-
ordnung ist erhaltung christlicher
schulen, wie oben angezeiget.
Wie die in diesem fürstenthum müssen ge-
stiftet und angerichtet werden, davon ist in der
reformation gehandelt. Wenn nun nach fürstlicher
reformation also die schulen erbauet und zu wege
gebracht seind, so sollen die schuldiener ordent-
licher weise vocirt, bestellet, auf und angenommen
werden von dem superintendenten, pastoren und
fürmündern eines jedern kirchspils, und sollen
sich für ihr person gottselig und erbarlich nach
gottes worte in christlichem leben und eingezogenem
wandel, in guten sitten und ehrlichen gebürlichen
kleidern wissen zu erzeigen.
Die jugent aber, so ihrer disciplin unter-
worfen, sol für allen dingen in der lehr des heiligen
catechismi und bevorab in den wahren furchten
gottes, welche allein der weisheit anfang ist, als
David bezeuget, wol geübet und exercirt werden,
darzu ihnen keine andere exemplaria dienstlicher
sein wollen, als der ausbund christlicher lehr, des
kleinen catechismi Lutheri, latin und deutsch auf
das fleissigste der jugent eingebleuet.
Darnach sollen die lieben kinder von den
schulmeistern, nach der unterweisung Pauli, in
der zucht und vermahnung zum herrn dermassen
erzogen werden, das die knaben nach gelegenheit
fleissig studirn, in den freien künsten und sprachen
wol proficirn, und in den guten sitten oder mori-

bus thetig promovirn, das sie also hernachmals
gott zu lob, den lieben eltern zu trost und ge-
fallen , sich aber selbst zum besten, die rechten
seminaria ecclesiae et reip. und die lebendigen
pflanzen im lustgarten des herrn sein mügen.
Damit nun solchs von den praeceptoribus und
gemeinen schuldienern oder paedagogis desto
fleissiger geschehen und ausgerichtet werden müge,
sol der superintendens in der visitation und die
pastores alzeit wöchentlich die schulen besuchen
und gleich so wol auf die schulmeister als schul-
knaben, das es alse recht und ordentlich zugehe,
achtung geben, und wie es hernach die notturft
zu jeder zeit erfürdert, alles ordenen, angeben,
bestellen, und wie es mit den lectionibus und der
ganzen paedagogia gehalten werden mus, ein-
richten, auch den gemeinen man fleissig ver-
mahnen , die kinder zur schulen ungeseumt zu
halten, das sie um gottes willen , dem herrn zu
einem lebendigen tempel des wirdigen heiligen
geistes zugerüstet werden, iuxta doctrinam apostoli
1. Cor. 3. et 2. Cor. 6.
Praecipui finis respectu, ut sint scholae aliud
nihil, quam officinae spiritus sancti, in quibus
statim ab initio tenera corpora hostiam viventem,
sanctam, deo placentem et rationabile obsequium
(de quo apostolus Roma: 12.) liberalium artium
benificio et linguarum studio exhibere discant.
Das fünfte und letzte stück der kirchen-
ordnung ist verordnung gewisser güter
und einkommen, damit die kirchen und
schuldiener gewisse und gebürliche
unterhaltung haben.
Was nun einen jedern pastorn, pfarherrn und
kirchen oder schuldienern für ein stipendium ver-
macht und zur jerlichen aufhebung bestimt und
verordnet, ist in dem gemeinen kirchen protocol
und eines jedern kirchspils buch oder register,
wie auch gnugsam in der reformation vom tax
vermeldet, darnach sich jedermenniglich zurichten,
verzeichnet. Denn ihre jerliche besoldung und
unterhalt sol ihnen von der obrigkeit eines jedern
orts gemacht, dieselb auch von den kirchen für-
mündern zu oben versprochener rechter zeit dar-
gereicht und gegeben werden, also das sie der-
wegen weder herrn oder pauren anlaufen noch
bekümmern, sondern ihres amts und studien war-
nemen und derselben auswarten sollen. Es sei
denn sache, das die fürmünder in ihrem be-
vohlenem amte unfleissig oder nachlessig, und ihnen
nicht zeitig ihr gebürendes verschaffen wolten, als
denn hetten sie es mit gutem glimpf der obrig-
keit des orts, und da es nicht helfen würde, den
superattendenten anzuzeigen.
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