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Wolgast, Eike [Editor]; Seebaß, Gottfried [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Editor]; Kirchenrechtliches Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland [Editor]; Sehling, Emil [Bibliogr. antecedent]
Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts (8. Band = Hessen, 1. Hälfte): Die gemeinsamen Ordnungen — Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), 1965

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https://doi.org/10.11588/diglit.30457#0297
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Kirchenordnung 1566

Do nimpt der diener das kind in die hende und
spricht: Uf solche absagung des teufels und der
welt und klare bekantnus deines glaubens87 teufe
ich dich im namen Gottes des Vatters, des Sohns
und des h. Geistes. Amen.
Im aussprechen dieser wort dunkt er das kind
und begeust es mit reinem wasser, wann es getauft,
gibt ers dem gevatter wider und spricht zu ihm und
der kirchen:
Ihr habt gesehen und gehört, ihr geliebten im
Herrn, wie dies kind nach der einsatzung und be-
felch unsers Herrn und heilands Jesu Christi getauft
ist und durch die h. taufe dem Herrn Christo und
seiner kirchen eingeleibt. Darumb will ich euer lieb
vermanet haben, es vor ein glid unsers Herrn Jesu
Christi und unser mitglid zu erkennen und halten
und ein jeder, so viel ihm müglich durch den Herrn,
dem es nun ergeben, allen fleiß ankere, daß ihm zu
Gottes ehren in allem guten an seel und leib ge-
dienet werde88.
Vornemlich aber vermane ich euch, gevattern,
so viel in mir ist, und gebiete euch an statt der
kirchen, daß ihr zugleich mit den eltern, ja, wenn
diese stürben oder seumig würden, mit allem fleiß
vorstehet, auch darzu helfet, daß dies kind christ-
lich uferzogen und, sobald es zu seinem verstand
kompt, in den heuptartickeln der christlichen reli-
gion treulich underweiset werde, so lang bis es
selbst, was itzt durch euch an sein statt verhandelt
und verpflicht ist, verstehe und vor der ganzen kir-
chen selbst bekennen möge, und alsdann dieses
kind der kirchen widerumb dargestellet mit bezeu-
gung, ihr habt geleistet, das ihr itzt so teur ver-
heißen, und also eueren glauben, so verpfendet,
widerlöset. Antwort der gevatter: Ich verspreche,
solches treulich zu verschaffen durch die gnad und
hülf Gottes. Amen.
Darnach singet die kirche den 27. oder 29. 114.
135. Psalm oder das tauflied Lutheri89, darin unser

87 Tauffragen an die Gevattern kennt Straßburg seit
etwa 1540, vgl. Hubert 55. Zur Parallelität der
Tauffragen in diesem Abschn. mit den Konfirma-
tionsfragen vgl. unten S. 296f.
88 Vgl. die ähnliche Taufermahnung im ersten Tauf-
formular S. 278 und in der Kölnischen Reformation
1543, Bl. 83v.
89 Christ unser Herr zum Jordan kam; Wackernagel

glaub und bekantnus von der hei. tauf kurz be-
griffen.
Darauf volget die danksagung und der segen
Num. 6 [24-26].
Es ist billich, daß alle ding in der austeilung der
hei. taufe mit lauter und verstendiger stimme und
an dem ort der kirchen, do jederman insonderheit
alles leichtlich hören und verstehen möge, verrich-
tet werde. Dann die action und handelung der hei.
sacrament belangen die ganze kirche und seind
nicht privatae, das ist sonderliche, sondern gemeine
und offentliche action der kirchen, wie dann dies
auch gehalten worden ist in der ersten kirchen. Daß
auch gebett bei der heiligen tauf geschehen seien,
bezeugt Iustinus in Apologia90: Der getauft, spricht
er, wird den brüdern in der christlichen versam-
lung dargestelt, uf daß vor ihn als der neulich er-
leuchtet Gott angeruffen und gebeten werde.
Es ist auch nützlich, daß in der kirchen ein regi-
ster91 zugerichtet werde, in welches man aufzeichne,
in welchem jar, monat, tag ein iglicher getauft sei
mit zugetanen namen und zunamen, beide der
eltern und gevattern, dann solches geschicht nach
dem exempel der alten kirchen. Dann Dionysius,
im buch von der kirchenregiment92, zeiget an, daß
vorzeiten, als die kirchen durch mancherlei rotten
zerrüttet, wenn ein christ von not wegen an ein ort
ziehen und zu wandern vorgenommen, hat er zu-
vor brief genommen von dem pfarherr und vor-
steher der kirchen, von welchen er auszöge, damit
er ein zeugnus hette, nit allein wo er geboren, son-
der auch in welcher kirchen er widergeboren were,
und daß er von der gemeinschaft der heiligen, vor-
nemlich des hei. abendmals umb keiner ketzerei
willen und andern billichen sachen nit auszuschlie-
ßen sei. Dann einen fremdlingen, der solche briefe
nit mit sich bracht, achten sie nit wirdig, weder des
abendmals des Herrn noch der begrebnus mit an-
dern gleubigen, als an dem sie zweifelten, ob er ein
3,25 Nr. 43; Evgl. Kgb. 146. In der Kölnischen
Reformation 1543, Bl. 85 v, sollen Ps. 114. 115. 135
gesungen werden.
90 Justinus Martyr, Apol. 1, 65, 1; MPG 6, 428; Flor.
patr. 2, 105f.
91 Vgl. oben S. 198 Anm. 65.
92 Dionysius, De eccles. hierar. 2, 3, 4; MPG 3, 400.

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