Weber, Wilhelm; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1910, 7. Abhandlung): Ein Hermes-Tempel des Kaisers Marcus — Heidelberg, 1910

Page: 40
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1910_7/0040
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
40

Wilhelm Weber :

1. In den Ländera östlich Ägyptens ist eine sichere Ent-
scheidung schwer. Kommt daher im kaiserzeitlichen Syrien die
Kioskform 130) vor, so kann sie ebensogut Endglied einer Reihe
von Assyrien her oder aus Ägypten sein. 131) Wenn gar auf
einem griechisch-indischen Relief die Kioskform zu Kultzwecken
dient 132), dann mehren sich die Schwierigkeiten. Gibt man ein-
mal die Möglichkeit zu, daß dieser so weit nach Osten gewandert
ist, wieviel höher ist dann der Einfluß auf den Westen zu ver-
anschlagen. 133) Da sind nur zwei Monumente, das Iseum und
der Hermestempel, die letzten Zeugen. So schließt sich der
Kreis. (S. 4.) Jenes ist Imitation eines ägyptischen Tempels,
dieser hat in ihm niclit weniger sein Yorbild als in den Iiermes-
tempeln Ägyptens (Nr. 19, 25). 134)

2. Überall, wo man die Einzelglieder und ihre Vervollkomm-
nung beobachten kann, konunen gleichzeitig lokale Traditionen
oder Einflüsse von Nachbarseiten her in Betracht. Trotz alledem
muß man annehmen, daß die Form des Podinms ebenso gekannt
war von denen, die die hellenistisch-italischen Podientempel zu
ihrer kaironischen Form durchgebildet haben.

Die sieghafte Entwicklung des Gewölbebaus in der Kaiser-
zeit ist der größte Triumph römischer Kunst. AVo liegen seine
Wurzeln? Wirklich in Italien, wie Rivoira eben wieder ange-
nommen hat? 135) Jeder weiß, daß im Orient schon früh die
Kenntnis verbreitet war 136); als durch Alexander alle Schranken

13°) Herr Prof. Puchstein hatte die Güte, mich auf das von H. C.
Butler, Architecture and oth. arts, 270, in der Am. Archaeol. Exped. to
Syria veröffent'.ichte Brunnenhaus von Ktellata hinzuweisen : 4 Säulen tragen
,,a barrel vault made of long blocks of stone resting upon semicircularing
pediments at other end“. Man muß also mit dem schweren Oberbau rechnen.

131) Jedes Endurteil ist hier so gut wie unmöglich, da unbekannt ist,
ob und in welcher Weise Antiochien, die vorderasiatische Zentrale, hier
Resnltate gezogen und vermittelt hat.

132) Foucher, Les bas-reliefs Greco-Buddhiques du Gandhara, S. 289,
Fig. 147.

133) Olba in Pamphylien ist recht problematisch. Ein Tychetempel d.
E Jahrhunderts. Die Säulen auf altarartigen Sockeln, der Fries ist „konvex
gebildet“ (= Hohlkehle?). Cfr. Herzfeld, Archäol. Anzeiger, 1809, 431; oben
Arim. 95, cfr. N. 35, 36. Über Pompeis Iseum s. Anm. 58, die Baldachine N. 15.

134) Ich erinnere nochmals an das Serapeum, Anm. 46, und lasse die
Möglichkeit offen, daß gerade für den Westen noch mehr Beispiele gefunden
werden möchten.

135) In dem Annr. 46 genannten Aufsatze ; vgl. oben Anm. 114.

136) Assyrien : außer den bekannten Werken s. a. Ringelmann, Recueil
des travaux, XXIX, 209ff. Im Hauran ist der Stil “the only reasonable
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften