Schubert, Hans von; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1911, 3. Abhandlung): Die Anfänge des Christentums bei den Burgundern — Heidelberg, 1911

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Die Anfänge cles Christentmns bei den Burgundern eiupfangen
ihr allgemeines Interesse durch die Bedeutung, clie sie für die
Christianisierung des fränkischen Stammes, cles Trägers der mittel-
alterlichen Entwicklung, gehaht haben. Der Übertritt Chlodwigs zum
katholischen Christentum hing alter guter Überlieferung nacli1) eng
damit zusammen, daß er der kathobschen Prinzessin Chlotilde aus dem
Geschlecht der arianischen Burgunderkönige die Hancl zum Ehebund
reichte. Damals, um 492, dehnte sich der burgundische Stamm in neuer
machtvoller Stellung zwischen Loire-Rhone einer-, den Alpen anderer-
seits südwestlich von den Alamannen. Hundertundzwanzig Jahre zuvor
sah er noch nordöstlich derselben und des früheren Dekumatlandes
im nördlichen Bayern, in der Nachbarschaft der Vandalen, achtung-
gebietend und immer bereit, denMain hinunter nach dem Rhein vorzu-
stoben. Als Ammianus Marcellinus (28, 5 n) von den Verhandlungen
erzählte, die 369/70 mit Kaiser Valentinian stattfanden, waren sie
noch Heiden: der Römer berichtet, a. a. 0. öu, von ihrem lebens-
länglichen und unverantwortlichen Stammes-Oberpriestertum. Wann
wurden sie Christen? Und wurden sie gleich Arianer oder erst
Katholiken?
Die Sicherheit, mit der diese Fragen heute2) in unseren an-
gesehensten Lehrbüchern beantwortet werden, ohne dafi je eine
5 Nicht nur Greg. Tur. II, 29 f., sondern nam. Nicetius v. Trier, ep. ad Chlo-
dosvindam (ca. 560, Mon. Germ. epist. III, 122 if.): audisti, ava tua, domna bonae
memoriae Hrodehildis, qualiter in Francia venerit, quomodo domnum Hlodoveum
ad legern catholicam adduxerit.
2) Früher waren die Meinungen sehr geteilt: für vorgängigen Katliolizismus
z. B. Gaupp, Die germ. Ansiecll. u. Landteil. 1844, S. 256; H. Rückert, Kulturgesch.
des deutschen Volks in der Zeit des Übergangs aus d. Heident. in d. Christent. I, 208ff.,
1853; H. Rettberg, Kirchengesch. Deutschlands I, 255, 1846; Jahn, Gesch. d. Bur-
gundionen I, 111, 335, 1874; dagegen: Petigny, Etudes sur l’hist., les lois et les
institut. de l’epoque Merov. II, 48 ff., 1844; IIaureau, L’eglise et l’etat sous les
prem. rois de Bourg., Mem. del’Inst. Imp. de FranceXXVI, 139f., 1867; Binding, Gesch.
des hurg.-rom. Königreichs, S. 40 ff., 1868; mit Reserve aucli Loeninc;, Gesch. d.
deutschen Kirchenr. I, 549, 1878.

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