Schubert, Hans von; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1911, 3. Abhandlung): Die Anfänge des Christentums bei den Burgundern — Heidelberg, 1911

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Hans von Schubert:

verteilt, zum großen Volk herangewachsen sind und in derFolge auch
den Namen von der Verrichtung angenommen haben, weil man gemein-
hin die zahlreichen Grenzniederlassungen „Burgen“ nennt, und daß
ihrer eine sehr starke und gefährliche Mannschaft ist, des sincl auch
heute rioch die gallischen Lande Zeugen, in denen sie nach ihrer
Besitzergreifung wohnen; obgleich sie, nacli Gottes Vorsehung nun
alle Ghristen geworden, nachdem sie den katholischen Glauben und
unsere Kleriker, ihnen zu gehorchen, aufgenommen haben, iiebreich,
sanftmütig und unschuidig leben, nicht wie mit unterworfenen
Galliern, sondern wie mit christlichen Brüdern.) Orosius hat somit
die Vorstellung, dab unter Valentinian I. ca. 370 die Burgundionen,
ein seit Augustus’ Zeiten an der Grenze angesiedeltes, also rornani-
siertes Mischvolk germanischer Provenienz, sich am Rhein auf
gallischem Boclen niedergelassen, infolge ihrer seitdem erfolgten
Katholisierung aber ihre Gefährlichkeit eingebüßt hätten.
Die Stelle steht noch in dem Teile des Orosius, in dem er als
selbständige Quelle sonst nicht in Betracht kommt. In cliesen Ka-
piteln bedient er sich vorzüglich der Ghronik des Hieronymus (ed.
Schoene, 1876), clen er wörtlich benutzt, aber paraphrasiert. Daneben
wird Eutrop, Rufm, wohl auch Ammianus Marcellinus benutzt. Ich
stelle die vorhergehenden und nachfolgenden Sätze des Orosius mit
denen seiner Quellen zusainmen:

0 r o s i u s.

Hieronymus.

Anno ab urbe condita MGXVIII
Valentinianus tricesimus octavus apud
Nicaeam consensu militum imperator
creatus est mansitque in eo annis
undecim,

Post quem. Valentiniauus tribunus
scutariorum e Pannonia Cibalensis
apucl Nicaeam Augustus appellatus.

qui cum Christianus integra fkle
sacramentum militiae gereret sub Ju-
liano Augusto tribunus scutariorum,
jussus ab imperatore sacrilego aut
immolare idolis aut militia excedere,
fideliter sciens et graviora Dei esse
iudicia et meliora premissa, sponte
discessit. lta parva interiecta mora
Juliano interfecto ac mox Joviano
mortuo qui pro nomineChristi amiserat
tribunatum, retribuente Christo in
eorum persecutoris sui accepit im-
periurn:

(Ruf. XI, 2 [ecb Schwartz-Mommsen,
p. 10021'.]: Post hunc Valentinianus im-
perium suscepit, cjui pro fide nostra a
Juliano militia fuerat expulsus. Sed
conplevit in illo Dominus c[uod pro-
misit, plus etiarn quam centupla in
praesenti saeculo restituens ei: nam
quia militiam pro Cbristo reliquerat,
recepit imperium.)

H i e r o n y m u s.

qui postea fratrem suum Valentem
participem fecit imperii,

Fratrem Valentem Constantinopoli
in communionem regni adsumit.
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