Pfister, Friedrich; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Hrsg.]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1914, 11. Abhandlung): Eine jüdische Gründungsgeschichte Alexandrias: mit einem Anhang über Alexanders Besuch in Jerusalem — Heidelberg, 1914

Seite: 22
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Friedrich Pfister:

So wurde dieser alexandrinische Hauskult (vgl. Rohde, Psyche I
254, 2) aitiologisch erklärt.

Diese guten Schlangen, welche die giftigen vertreiben, sind
also das Gegenstück und wohl auch das Vorbild unserer apyoXai.
und ocpioga^ot,, die Alexander gegen die Giftschlangen einführte.
Der Name gab die Veranlassung, dabei an Argos zu denken. Der
zweite Bericht bei Epiphanius ist aber dann nichts anderes als
em christliches oder jüdisches Gegenstück zum antiken Bericht
von den guten und giftigen Schlangen: dies Mittel sollte sich als
untauglich erwiesen haben (non poterant eos penitus extirpare),
erst die Gebeine des Jeremias vollbrachten das Wunder 1.

Die Möglichkeit ist also nicht abzuweisen, daß diese Jeremias-
episode 2 aus ähnlichem Kreise stammt wie die jüdische Gründungs-
geschichte, ja daß sie vielleicht sogar ursprünghch zu dieser
gehörte.

3. Alexander in Jerusalem.

Über den Besuch Alexanders in Jerusalem hesitzen wir eine
dreifache Überlieferung, die unabhängig voneinander ist, in der
Einzeldarstellung voneinander abweicht und auf eine gemeinsame
jüdische Tradition zurückweist. Diese drei Quellen sind für uns
Josephus, ant. XI 317—345, Ps.-Kall. II 24 p. 82 sq. ed. Müller
nach der Hs. C und die rabbinische Tradition 3 im Talmud und
Midrasch. Sie berichten übereinstimmend, Alexander sei nach
Jerusalem, durchaus nicht in bester Absicht, gezogen, der Hohe-
priester sei dem König mit Gefolge in feierlichem Zug entgegen-
gegangen, und Alexander habe sich dann plötzlich freundlich gegen
die Juden gezeigt und den Priester begrüßt. Bei Josephus und
im Talmud lesen wir zudem noch, daß Alexander vorher schon
die Gestalt des Hohepriesters im Traume sah, ferner, was besonders

1 Über diese alte Vorstellung von der Macht des Zauberers oder Propheten
über die Schlangen usw. vgl. Fr. Boll, Aus der Offenbarung Johannis
S. 142, 3.

2 Jeremias spielt aucli eine Rolle in dem arabischen und vulgärgrie-
chischen Alexanderroman, den wir oben (S. 16) genannt haben. Der Prophet
wird auch öfters zitiert im syrischen Alexanderlied, ed. Hunnius ZDMG LX
(1906) 181; 573; 809; 817.

3 Vgl. Donath 9ff.; A. Wünsche, Die Alexandersage nach jüdischen
Quellen (— Die Grenzboten XXXVIII 1879, 269ff.); Steinschneider, Die
hebräischen Übersetzungeh des Mittelalters 894ff.; J. Levi, Rev. des et. juives
II (1881) 293ff.; VII (1883) 78ff.; The Jew. Enc. I (1901) 341 ff.
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