Pfister, Friedrich; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1914, 11. Abhandlung): Eine jüdische Gründungsgeschichte Alexandrias: mit einem Anhang über Alexanders Besuch in Jerusalem — Heidelberg, 1914

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Friedrich Pfister:

lied 1, das sonst auf Curtius beruht, und der Verfasser der irischen
Alexandergeschichte 2, der sonst hauptsächlich nach Orosius
arbeitete. Auch als selbständiger Traktat für sich lief die Episode
in der lateinischen Josephus-Übersetzung um 3. Rudolf von Ems 4,
dessen Hauptquelle sonst gleichfalls Curtius ist, und die von
Hilka edierte Liegnitzer Historia 5 entnahmen die Episode der
Historia Scholastica 6, die selbst hierbei auf Josephus zurückgeht.
Die Pariser lateinische Handschrift, die indirekt auf dem Bamberger
Leo beruht und dieselbe Alexandergeschichte enthält wie der
deutsche Johannes Hartlieb 7, schöpfte diese Episode ebenfalls
aus der Historia Scholastica. Von orientalischen Versionen ist
u. a. vor allem der äthiopische Roman zu nennen, der diese Episode
bietet, während sie im syrischen Roman, auf den er durch Ver-
mittlung des Arabischen zurückgeht, fehlt; aber aucli in dieser
ersten arabischen Bearbeitung stand sie noch nicht, da sie auch
in dem Text des Mubassir nicht vorhanden war 8.

4. Pseudo - Kallisthenes II 24-28.

Zum Schluß sei noch kurz über den Zusammenhang gehandelt,
in welchem die zwei Episoden, die Gründungsgeschichte und dej. 1

1 H. Christe]nsen, Das Alexahderlied des Walter von Chätillon
1905, 149.

2 K. Meyer, Irische Texte, herausgeg. von Stokes und Windisch,
2. Serie, 2. IJeft 1887, cap. 8 S. 21 f.; cap. 34—37 S. 45ff.

3 So in der Hs. von Montpellier, Fac. de Medecine H.. 31, s. XIII,
fol. 20r, wovon mir A. Hilka eine Abschrift freundlichst zusandte; s. Hilka,
Roman. Forsch. XXIX (1910) 32f.

4 Ausfeld, Die Quellen von Rudolfs von Ems Alexander, Progr.
Donaueschingen 1883, 16f.; Zingerle 97ff. — Zur Darstellung des Comestor
hat Rudolf von Ems noch Züge aus J 2 gefügt.

5 Hilka a. a. O. 2f.; 23f.; vgl. Wochenschr. f. ldass. Philol. 1911, 27ff.

6 Liber Esther cap. 4.

7 S. m. Leo-Ausg. 11 ff.; Pfister, Riv. di filol. class. XLII (1914) 106ff.;
H. Poppen, Das Alexanderbuch Johann Hartliebs, Heidelberger Diss. 1914.

8 Ausg. des äthiopischen Romans von Budge 1896; englische Über-
setzung dort Bd. II 72ff.; s. auch den Text ebenda S. 559f. Da diese Episode
in der Alexandergeschichte des Mubassir (B. Meissner, ZDMG XLIX 1895,
583ff.; Knust, Mitteilungen aus dem Eskorial 80ff.; 415ff.), welche auf der-
selben arabischen Vorlage wie der äthiopische Roman beruht (vgl. K. F. Wey-
mann, Die äthiopische und arab. Übersetzung des Ps.-Kallisthenes, Heidel-
berger Diss. 1901), fehlt, so ist sie auf andere Weise zu dem Äthiopier ge-
kommen. Weymann spricht sich über dies Verhältnis nicht näher aus.
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