Bartholomae, Christian; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1918, 1. Abhandlung): Zur Buchenfrage: eine sprachgeschichtliche Untersuchung — Heidelberg, 1918

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!. Unter den Beweisstücken, die man dazu verwendet hat,
die Heimat der tndogermanen genauer zu bestimmen — ob sie in
Asien oder in Europa zu suchen sei, und wenn in Europa, ob in
Ost- oder Mitteleuropa —, spielen die indogermanischen Baum-
namen seit langem eine hervorragende Rolle, und unter ihnen
wieder besonders der Name für die Buche; denn ihr ursprüng-
tiches Verbreitungsgebiet ist scharf begrenzt — die Heimat der
Buche geht in Europa nach Osten nicht über eine Linie hinaus,
die Königsberg und Odessa verbindet —, so daß der Frage, ob die
Bekanntschaft mit der Buche den Indogermanen in ihrer Gesamt-
heit zuzuschreiben sei oder mir einer Anzahl westindogermanischer
Völkerschaften, eine ausschlaggebende Bedeutung zuerkannt wurde;
s. dazu OScHRADER Sprachvergl. und Urgesch.R 2. 175 ff. und neuer-
dings FEIST Kultur 494 No. Es soll hier keine Untersuchung
darüber angestellt werden, ob denn dem Buchennamen diese Be-
deutung auch wirklich zukommt. Sie würde vielleicht nicht mein
zu ihrer unbedingten Bejahung führen; man ist in der Beurteilung
der einschlägigen Beweismittel, wie mir scheint, im allgemeinen
mißtrauischer geworden; so insbesondere auch SCHRÄDER selber,
der Sprachvergl.3 7 (1906). 184 meinte: ,,(es) erweisen sich die für
die Bestimmung der idg. Urheimat viel geplagten idg. Baumnamen
immer deutlicher als hierfür wenig geeignet". Tatsächlich ist aber
diese Bedeutung erst jüngst wieder bejaht worden, und zwar
gerade wieder eben von ScHRADER Reallex. der idg. AltertumskZ
(1917), l.Heft, 170ff.
2. Die lautliche Zusammengehörigkeit der drei west indo-
germanischen Wörter lat. /dgM$ 'Buche', ahd. dnoMn 'Buche' und
gr. (pctydj (jongr. qn^ds) 'Speiseeiche' ist so augenscheinlich, daß
sie kein Verständiger bestreiten wird, obschon sie nicht mathe-
matisch sicher bewiesen werden kann, so etwa wie die von lat.
oc/ö und gr. dxmd, insofern eben das lat. /-, das gr.q?- jener Wörter
nicht aus idg. 5A- hervorgegangen sein müssen wie das einwertige
&- in ahd.OmMa, und dessen no nicht aus 4, wie das d der andern
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