Bang, Willy; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1918, 12. Abhandlung): Monographien zur türkischen Sprachgeschichte — Heidelberg, 1918

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W. Bang:

§ 1. statt dessen mundartlich auch Twu/ww:: vorkommt, aus 5ay.
&07-c:d777*777 C7: phonetisch erklären. Aber wie konnte das % von -&C7*
zu o werden?] diese Formen yc^T/MTW* und //ehy#:*:)':::', er bringt auch
ein 7/g?77M7*7/'M7*%777 „venio". Doch waren diese Formen zu seiner Zeit (1680)
5 nicht in allgemeinem, lebendigem Gebrauch, sondern die verkürzten auf -yTb*.
[II.] Es ist sehr merkwürdig, daß Meninski nicht-707' spricht, sondern immer
-7:77*, auch hinter schweren Stämmen, also wieder gegen die Vokalharmonie,
z. B. a. a. 0. „accipit, capit", M7M/'%7* „dormit", ^707*Iq7M7* „micat".
[tll.] Was den Stamm des der Endung -707-, -y'M7' zugrunde liegenden Verbums
10 anlangt, so kommt er im Türkischen in 3 Formen vor: 1. schwer 707*3/-,
707*77-; 2. leicht yM7'7-,jM7-M-; 3. leicht ye7*7-,7'e7*7-. Die schwere Form war
bei den Köktürken in alleinigem Gebrauch, wie das auf den Inschriften so
oft vorkommende beweist, und besteht heute noch bei den im
Altaj wohnenden Teleuten mit der Vokalisation 707-7/-. Unsere Endung -yo:*
15 ist nun gerade so aus 707*3/7* bzw. 707*777* entstanden, wie (Der „ist" aus (?777*w
und wie dieEsen-Ili-Türkmenen z. B.yc^T* „erbringt" sagen, anstatt
Die volle Form des Präsensstammes mit -707*777* anstatt ^7*07* ist wunder-
barerweise heute noch in Karaman erhalten, wo man z. B. ^0773/707*777- „er
macht" == osm. 70703/707* sagt. Vgl. aus Liedproben bei Maximoff die
20 Formen ^0^3/707*777* „er geht herum" — yc^T/OT*, yö?ö/'o7*7/7* „er lacht" -
yö^'o?*, [dazu Verweis auf Maximoh's Opift.].
[IV.] Die leichte Form 707*0- oder mundartlich 707*7 „gehen" ist heute die ver-
breitetste und wohl erst aus der schweren entstanden. Meninski's -yö:*
ist natürlich so aus yw-w* entstanden, wie -^'07- aus y'07*3/7*.
25 [V.] Von der leichten Form ye7*:- oder ye7u- „gehen" ist die letztere heute im
Azeri, das kein y'ö7*M- kennt, allgemein. Sie liegt dem -yW- in Formen wie
ychyer „er kommt", die ich aus dem Munde von Krimkaraimen gehört habe,
zugrunde. Bei den Jaumud-Türkmenen unterliegt -7V7' der Vokalharmonie,
daher bei ihnen &o7*3/-yo7*-;777. „ich gehe". Von dem ursprünglichen 707*77*
30 hat sich wunderbarerweise im Azeri noch der Rest -7*7 erhalten, z. B. yWb'7
neben ycK aus ^77*6777- „er kommt".
[VI.] Der Typus yoh'7'07- besteht also aus dem Gerundiv ycJ-7 + 707- -
707*3/7* „gehend". Die Gerundive auf -7 sind schon im Köktürkischen sehr
häufig, auch kommen hier schon verschiedene Verbindungen der Gerundive
35 mit Verben vor im Geiste des osmanischen 3/7*^7-7707*777^, ol/z-g^og u. ä.
In gewissen Mundarten wird der Präsensstamm, von dem anderen
Gerundiv auf -o, -<? gebildet, das ebenfalls schon aus dem Köktürkischen
belegt ist. In Rustschuk sagt man .yop<4/07*7r777 „ich mache" =y%p7'd7W77.
Phonetisch ist noch zu bemerken, daß bei vokalischen Stämmen das
40 -JC77- direkt antritt; so heißt z. B. von ^07*?n- der Präsensstamm po?-?o/o7-
„er glänzt".
[VII.] Niemand scheint gebührend gewürdigt zu haben, daß der
Präsensstamm auf -707* bereits mehrfach im Köktürkischen
begegnet, besonders häufig ist 707*3/707* oder
45 außerdem z.B.[,] wie heute inStambul[,] 70J0707- „er lebt", neben welchem
auch der Aoriststamm y'ojo:* gerade wie heute in Stambul auftritt [dazu
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