Hommel, Hildebrecht; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1980, 1. Abhandlung): Der Gott Achilleus: vorgetr. am 5. Mai 1979 — Heidelberg: Winter, 1980

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Die Kenntnis der dem Achilleus zuteilgewordenen göttlichen Vereh-
rung im Bereich des nördlichen Schwarzen Meeres verdankt die westli-
che Wissenschaft fast ausschließlich der Forschung der diesem Gebiet
anliegenden Nationen, insbesondere den Russen. Für die Inschriften
steht hier in vorderster Reihe das Corpus, das W. Latyschew bearbeitet
hat.1 Aber darüber hinaus hat Erich Diehl, der russischen Sprache
mächtig, nicht nur das seinerzeit grundlegende Werk von Iwan Tolstoi
mit eigenen weiteren Ausblicken bei uns bekannt gemacht,2 sondern
gut 20 Jahre später in seinem Pauly-Wissowa-Artikel <Pontarches> noch
einmal ein umfassendes Bild aufgrund der Probleme im Spiegel der
Quellen und der meist russischen Literatur gezeichnet und wiederum
durch eigene Beobachtungen und Schlüsse bereichert.3 Wenn auch seit-
dem mehrfach neues Material hinzugekommen ist,4 so konnte doch be-
1 Basilius Latyschev, Inscriptiones antiquae orae septentrionalis Ponti Euxini ... (IPE)
1885ff. Der hier einschlägige Bd. I in 2. Aufl. 1916 (Neudruck 1965). Davon betref-
fen die ältere Zeit (vor Chr. Geb.) die Nrn.: 34 (Z. 30: Agon zu Ehren des Achilleus;
1. Jh. v.Chr., Fundort Olbia). - 326 (Leuke). - 327 (Hecates lucus im Mündungsge-
biet von Borysthenes und Hypanis). - 328. 329, laut Ergänzung viell. auch 332 (Cur-
sus Achillis, heute Tendera). — 672 (aus Leuke?), 2. Jh. v.Chr., (s.a. Weissbach RE II
A 1923, Sp. 60). — 673 (wie 672 gefunden in Neapolis Scythica unweit des heutigen
Sympheropel auf der Krim; spätestens 2. Jh. v.Chr.).
Kaiserzeitliche Weihungen an Achilleus Pontarches: Nr. 53 (Olbia). - 130-134 (Be-
re?an; wie Nr. 53 Weihungen der Archonten an den Gott). -135-138 (Weihungen der
Strategen). - 139—146 (Weihungen der Priester). Alle hier erwähnten Zeugnisse aus
IPE I2 sind Steininschriften.
2 Ivan Tolstoi, Ostrov Belyi i Tavrika na Jevksinskom Ponte (Die Weiße Insel und Tau-
rien im Euxinischen Pontos). Petrograd 1918. Rez. v. Erich Diehl im Gnomon 3.
1927, 633—643 (künftig zitiert: Diehl Gn.).
3 E. Diehl, Artikel <Pontarches>, RE XXII 1954 (1950) Sp. 1—18 (künftig zitiert: Diehl
RE).
4 Zunächst ist wichtig die Bibliographie von in Sowjetrußland publizierten Arbeiten von
1946—62: E. Belin de Ballu, L’Histoire des Colonies Grecques du Littoral Nord de la
Mer Noire 1965. Derselbe Autor hat 1972 eine umfangreiche Monographie folgen
lassen: Olbia, Cite Antique du Littoral Nord de la Mer Noire (zum Achilleuskult vor
allem S. 77—82 u.S. 139). Das Buch hat eine ablehnende Kritik erfahren durch J. Bra-
schinsky, Gnomon 49. 1977, 617ff. Dieser empfiehlt stattdessen die inzwischen er-
schienene gründliche Arbeit einer polnischen Gelehrten: Alexandra Wajowicz, Olbia
Pontique et son Territoire 1975 (s. bes. S. 33 mit den Literaturangaben Anm. 40f.;
vgl. a. das ausführliche Literaturverzeichnis S. 155ff.). Wichtige Einzelarbeiten neuerer
Zeit hat mir freundlich J. G. Vinogradov-Moskau vermittelt; auf sie wird weiter unten
jeweils suo loco eingegangen.
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