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Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste [Contr.]; Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Österreichische Akademie der Wissenschaften [Contr.]
Die Deutschen Inschriften (Band 16: Heidelberger Reihe ; Band 6: Die Inschriften des Rhein-Neckar-Kreises ; 2): Ehemaliger Landkreis Mannheim, ehemaliger Landkreis Sinsheim (nördlicher Teil) — München: Druckenmüller, 1977

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https://doi.org/10.11588/diglit.52967#0029
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Nr. 1-207
DIE INSCHRIFTEN DES EHEMALIGEN
STADT UND- LANDKREISES MANNHEIM

Altlußheim, ev. Kirche

10. Jh.

Grabstein des Abbo, jetzt in Zweitverwendung (?) über dem Westportal der 1766 erbauten Kirche ein-
gemauert. Querrechteckige Tafel aus rotem Sandstein, tief in den neuen Putz eingesenkt. Inschrift in drei
Zeilen auf den zwei eingetieften Feldern und dem mittleren Steg. In der Mitte kreisrundes Versatzloch,
vermutlich von der späteren Verwendung herrührend. Mit Farbe überstrichen.
H. ca. 20 cm, B. ca. 60 cm, Bu. ca. 4 cm. - Gemischte Kapitalis.


SVB HOC LAPIDE PAUSAT
ABBO HIC [O]B III KL FEB
IN HAC UITAa) ERAT DIUES1’)
Unter diesem Stein liegt Abbo. Er starb am 3. Februar. In diesem Leben war er reich (begnadet).
Der Stein hat in der Literatur bisher verschiedenartige Lesung und Deutung erfahren. Huth') geht davon
aus, daß eine verstümmelte und überarbeitete Bauinschrift (Grundstein) für einen Kirchenneubau des
13. Jahrhunderts vorliege und liest sub hoc lapide pacis / anno M CC L III Kl Feh / in hac vita erat dius. Diese
Lesung ergibt jedoch keinen Sinn, sie läßt außerdem - selbst wenn man eventuelle spätere Überarbeitungen
in Rechnung stellen wollte - einzelne Buchstaben, die noch deutlich sichtbar sind (die beiden letzten
Buchstaben der ersten Zeile) unberücksichtigt. Vor Huth sprachen Specht und (ihm folgend) Seyfried2)
den Stein zwar als Rest eines Grabsteins an, ohne jedoch eine vollständige Lesung zu bringen, die grammati-
kalisch einwandfrei erscheint und einen Sinn ergibt3).
Die Annahme von Huth, daß die Inschrift unvollständig sei, trifft sicher nicht zu. Die äußere Form des
Steines ist zwar als Grabstein ungewöhnlich, weist jedoch keinerlei Anzeichen für einen fragmentarischen
Charakter auf. Sie ließe sich als Parallele zu Inschriften auf Kreuzbalken auf Grabsteinen des n. Jahrhun-
derts im Bonner Raum verstehen4). Das bisher stets als ligiertes CI gelesene unziale U der ersten Zeile hat
seine Entsprechung bei der Schreibung von vita und dives in der dritten Zeile, wobei in dives eine Ligatur
UE (mit schlecht ausgeführtem Mittelbalken des E) vorliegt. In der zweiten Zeile ist anstelle des Versatz-
loches weit eher ein O als ein C anzunehmen, dessen Größe dann mit der des O in Abbo genau übereinstimmt;
ein B für den folgenden Buchstaben las bereits Specht, ihm folgend Seyfried.
Das Verbum pausare ist (ebenso wie das zugehörige Substantiv pausa = Grab) im Sinne von sterben,
begraben sein, tot sein in frühchristlichen Inschriften durchaus geläufig5). Es kommt in gleicher Bedeutung
auch noch in mittellateinischen Quellen bis zum n. Jahrhundert vor, wird aber danach zunehmend nur
noch in profanem Sinn gebraucht und verliert den spezifischen Charakter6). Abbo als Personenname ist
im mittelrheinischen Raum (Lorsch, Trier, Speyer) häufig nachweisbar7).

r DI 16, HR 6
 
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