Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]; Aly, Wolfgang [Oth.]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1914, 2. Abhandlung): Mitteilungen aus der Freiburger Papyrussammlung: 1. Literarische Stücke — Heidelberg, 1914

Page: 49
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1914_2/0049
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
Mitteilungen aus der Freiburger Papyrussammlung I. 49

heit, zu sagen, daß diese Stücke in Anlehnung an die Alexander-
literatur des dritten Jahrhunderts in Lukians Zeit gemacht sind.
Ist auch ihr historischer Wert gering, so ist doch ihre literatur-
geschichtliche Bedeutung beträchtlich, weil sie uns helfen, einen
hisher wenig bekannten Literaturzweig näher kennen zu lernen.

3.

Inv. Nr. 9.

Fragment einer attischen Gerichtsrede.

Herkunft unbekannt 1. 2.—1. Jahrh. v. Ghr.

Zwei nach Farbe, Schrift und Inhalt zusammengehörige
Fetzen enthalten die Reste von 2 Kolumnen einer sauber geschrie-
benen Gerichtsrede, die mit keiner der erhaltenen identifiziert
werden konnte. Die Faserung der Rückseite läßt erkennen, daß
das Fragment b ziemlich dicht unter die zweite Kolumne von a
gehört. Da oberes und unteres Ende der Kolumne erhalten ist
mit 15 + 7 Zeilen, so kann der Abstand wohl kaum mehr als
10 Zeilen betragen haben, vielleicht erlieblich weniger. Die Breite
des Ganzen beträgt 13 cm, clie größte Höhe von a 13 cm, clie von b
6 cm.

Schrift auf dem Recto eines feinen hellen Papyrus. Von der
ersten Kolumne ist etwas mehr als die rechte Hälfte erhalten; die
Breite ließ sich nach der zweiten Kolumne und clen Ergänzungen
von Z. 8—12 mit Sicherheit bestimmen. Die zweite Kolumne ist
in ganzer Breite erhalten uncl enthält 16—22 (etwa 19) B. Spuren
einer dritten Kolumne fehlen, obwohl der rechte Rand ziemlich
breit ist. Er ist ganz glatt uncl trägt unten ein Kreuz in Höhe der
letzten Zeile. Ich möchte daher glauben, claß wir das Ende eines
scapus vor uns haben, der wahrscheinlich noch nicht einmai mit
der Fortsetzung zusammengeklebt war. Der vorzüglicbe Erhaltungs-

die Äußerung über Kassander (18,49) S eSooxo'to? 7]8t] TC£ipav Ixocvtjv dc p etTi c,
rs y.cd AvSpsiocq fast nach derselben Quelle schmeckt wie b II 23.

Daß daneben stilistische Beziehungen zu den literarischen Vettern
Philostrat, Lukian, Dio Cassius nichtfehlen, wird niemand wundern. Überhaupt
sind alle diese Dinge im 2. Jahrh. nicht allzu überraschend; was ich betone,
ist nur, daß sie sämtlich nicht damals erst erfunden sind und folglich für die
Entstehung unserer Dialoge direkt nichts beweisen.

1 Aus demselben Ankauf wie 1 und 2.

Sitzungsberichte der Heidelb. Akademie, phil.-hist. Kl- 1914. 2. Abh.

4
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften