Ruska, Julius; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1919, 3. Abhandlung): Griechische Planetendarstellungen in arabischen Steinbuechern — Heidelberg, 1919

Page: 4
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1919_3/0004
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
4 Julius Ruskä:
der Planetendarstellungen im islamischen Kulturkreis lediglich auf
die Nachwirkung dieser Sekte zurückzuführen, kann in keiner Weise
befriedigen. Die arabischen Nachrichten über den Planetendienst
von Harrän reichen nicht über das 9. Jahrhundert hinauf; den
Namen Säbier haben die Harranier erst im Jahre 830 angenommen,
als sie der durch den Khalifen Alma’mün drohenden Ausrottung
dadurch zu begegnen suchten, daß sie sich als die im Koran er-
wähnten Säbier ausgaben1). Was uns griechisch-römische Quellen
über das syrische Heidentum berichten2), bestätigt zwar den Pla-
netendienst, reicht aber nicht hin, gerade diesen Harraniern die
Ausbildung der Planetentypen zuzuschreiben. Diese ist wie die
der Astrologie selbst innerhalb des vom Orient her be-
einflußten späteren Hellenismus zu suchen, und es wäre
eine gegen jede Analogie in der Geschichte der Künste und Wissen-
schaften verstoßende Erscheinung, wenn sich nicht auch die in
arabischen Texten auftauchenden Planetenbilder und
Planetenbeschreibungen auf griechische Vorlagen zurück-
führen ließen. Freilich können diese Überlegungen nur dazu
dienen, die allgemeine Pachtung zu bestimmen, in der — sei es von
der klassischen, sei es von der orientalischen Philologie her — die
Brücke über das zwischen Nechepso und Alma’mün oder Ptole-
maios und Kazwlnl liegende Jahrtausend geschlagen werden müßte.
Daß die Versuche, vom Hellenismus aus den literarischen An-
schluß an die islamischen Planetendarstellungen zu finden, bisher
nicht zum Ziel geführt haben, ist bekannt. Wenn ich, von der
anderen Seite herkommend, heute eine lückenlose Verbindung her-
steilen kann, so liegt das vor allem an dem Umstand, daß ich den
Weg nicht über die eigentlich astrologische Literatur, sondern über
die von den Geheimkräften der Steine handelnden Schriften
genommen habe. Wäre auf der Seite der klassischen Philologie
mehr auf diese Literatur geachtet worden3), so hätten immerhin
schon Brückenpfeiler in der zum Ziele führenden Richtung angelegt
werden können; die tatsächliche feste Verbindung aber war nur
durch arabische Texte herzustellen, die den Stempel griechischen
Ursprungs an sich tragen und späteren Schriften über Planetenbilder
als Vorlage dienten.
1) Sure 2,59 = 5, 73; etwas abweichend 22,17. Dazu die Nachrichten bei
Chwolsöhn, Die Ssabier, I 140ff.; 1471.
2) Ghwolsoi-in a. a. Ο. I, 347 ff. und besonders 395 ff.
*) Ich verweise nur auf Bouche-Lkclercq, L’astrologie grecque, S. 316.
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften