Ruska, Julius; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1919, 3. Abhandlung): Griechische Planetendarstellungen in arabischen Steinbuechern — Heidelberg, 1919

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Griechische Planetendarstellungen in arabischen Steinbüchern. 5
Die Handschriften, über deren Inhalt hier zum erstenmal aus-
führlicher berichtet werden soll, sind Eigentum der Bibliotheque
Nationale zu Paris. Sie werden im Catalogue des Manuscrits Arabes
von de Slane, Bd. I, S. 450, unter Nr. 2772, 2° und 2775, 2°, 3°, 4°
beschrieben, auch haben schon Clement-Mullet in seinem „Essai sur
la mineralogie arabe“ (Journ. as. 6me S., Bd. XI, 1868, S. 11) und
M. Steinschneider in „Arabische Lapidarien“ (Z. D. M. G., Bd. 49,
1895, S. 248, 249) und „Lapidarien, ein culturgeschichtlicher Ver-
such“ (Semitic Studies in Memory of Rev. Dr. Alexander Kohut,
Berlin 1897, S. 48) auf sie verwiesen, mit dem Inhalt der Texte hat
sich aber bisher noch niemand ernstlich beschäftigt. Es handelt
sich um eine kleine Bibliothek von Schriften über die Geheimkräfte
der Steine, besonders um Vorschriften zur Gravierung von Planeten-
bildern auf die den einzelnen Planeten zugeteilten Steine. Ihre letzte
Wurzel mögen die Texte in handwerksmäßigen Anweisungen für
Gemmenschneider haben. Wie diese Vorschriften allmählich in den
Strom der Zauberliteratur gelangten, der jenes wundersüchtige Zeit-
alter überflutete, läßt sich noch jetzt an den Resten der griechisch-
römischen Gemmenbücher verfolgen und soll die Einleitung für die
Behandlung der arabischen Texte bilden.

Griechisch-römische Zaubergemmen.
Auf primitiver Stufe stehen die in den orphischen Lithika1)
als Gegenzauber gegen Schlangenbiß, Skorpionstich u. dgl. oder zu
sympathischen Kuren an Leib und Seele empfohlenen Mittel. Die
Steine erhalten ihre Kraft von den Göttern und werden als Amu-
lette umgehängt, als Pulver aufgestreut oder in Flüssigkeiten ge-
mengt innerlich und äußerlich angewandt. Der Grundzug des Ge-
dichts ist eine vertrauensvolle Frömmigkeit, die mit Gebet und Opfern
sich den Göttern naht und die Steine mehr nur als äußere Zeichen
anwendet, die dem Gott wohlgefällig sind und zugleich die Anliegen
und Wünsche des Trägers verraten. Vom Bergkristall heißt es
(ecl. E. Abel V. 185):
τάων ουχ ετέρης μάλλον φλογός ελπομ" εγωγε
άθανάτοις ουτω κεχαρισμένα μηρία καίειν.
Vom Anaktites oder Galaktis wird neben anderen Wirkungen
V. 226ff. zugesagt:

J) Eug. Abel, Orphei Lithica. Accedit Damigeron cle lapidibus, Berlin 1881,
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