Hengel, Martin; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Hrsg.]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1982, 1. Abhandlung): Achilleus in Jerusalem: eine spätantike Messingkanne mit Achilleus-Darstellungen aus Jerusalem ; vorgelegt am 28. November 1981 — Heidelberg: Winter, 1982

Seite: 15
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Achilleus in Jerusalem

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1.5 Seitenkanten:
Beide Seitenkanten des Körpers der Kanne sind mit einem kunst-
vollen Ornament aus Akanthusblättern verziert, die auf den Rand-
partien symmetrisch angeordnet in spitzem Winkel aufeinander
zulaufen. Von den Seiten her betrachtet hat die Kanne eine ge-
schwungene, mit einem Schiffsbug vergleichbare Form (A. 4a 16).

2. Zur Diskussion der Ikonographie
Die Kanne enthält eine Szenenfolge, die letztlich auf die Ilias zurück-
geht und die - freilich mit auffallenden Abweichungen von Homer -
den Zweikampf Hektors und Achilleus’ und Hektors Lösung dar-
stellt. Es handelt sich so um einen kleinen Achilleus-Zyklus, wie er
in spätrömisch-byzantinischer Zeit besonders beliebt war.
Das Motiv des Zweikampfs würde dabei allein zur Identifikation
noch nicht ausreichen. Hyginus zählt allein vor Troja 17 Zwei-
kämpfe auf (c. 112), davon 10 mit tödlichem Ausgang, vier daraus
betreffen Achilleus. Der Kampf mit Hektor mag literarisch durch
Homer der bekannteste gewesen sein, ikonographisch war er durch-
aus nicht der häufigste. Nach dem neuen mythologischen Lexikon
(LIMC) gibt es nur 26 Darstellungen dieses Kampfes, dagegen 38
vom Kampf des Achilleus gegen Memnon und - bedingt durch das
zusätzliche erotische Motiv - 73 vom Zweikampf zwischen dem
Peliden und Penthesilea. Daß es sich hier nur um das Zusammen-
treffen Achilleus - Hektor handeln kann, zeigen das Motiv der
Flucht und der Teichoskopie und die Darstellung der Lösung auf
Seite B.
Die beiden Szenen auf Seite A sind so ohne Schwierigkeiten zu
identifizieren, sie gehören auch sachlich aufs engste zusammen.
Auf dem Hals der Kanne findet sich die Verfolgung Hektors durch
Achilleus, darunter auf dem Körper seine Tötung.
Im Vergleich mit den anderen archäologischen Zeugnissen der
Antike ist jedoch gerade die doppelte Darstellung von Verfolgung
und Tötung Hektors durch Achilleus auffallend, um so mehr, als die
beliebte Schleifung des Leichnams weggelassen wird. Denn der
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