Wolgast, Eike [Editor]; Seebaß, Gottfried [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Editor]; Kirchenrechtliches Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland [Editor]; Sehling, Emil [Bibliogr. antecedent]
Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts (7. Band = Niedersachsen, 2. Hälfte, 1. Halbband): Erzstift Bremen, Stadt Stade, Stadt Buxtehude, Stift Verden, Stift Osnabrück, Stadt Osnabrück, Grafschaft Ostfriesland und Harlingerland — Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), 1963

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Kirchenordnung 1535 (Einführungsmandat)

nen 32, by welkern uns de gnadenrike schatt des
lidendes Christi dargegeven wort und de guedige
wille unses hemmelsschen Vaders voer de ogen ge-
stelt word, so jamerlick vorspottet schoelen weer-
den.

[VII.]

Straeffe, soe Maria und de hylligen lasteren 33.

Welcke de ewige, reine, uterweelde junkfrouw
und moder Christi Mariam eder de anderen leven
hilligen Gades, so itzundes by Christo selichlick
leven, vorachten, schenden eder 34 vorsmahen, also
dat se sachten, de moder Gades weer ein wyff als
ein ander wyff hyr up erden gewesen, dat se meer
kinder dan Christum, den Söne Gades, gehadt, voer
und na der gehoert nicht weer ein ewige junkfrouwe
gebleven 35, eder dat de uterweelde moder Gades, so
van dussen jamerdael vorscheden, mit Christo nicht
selichlick levede, dusse alle willen wy na gestalt der
saken an oeren live, levende und gudt straffen 36.

[VIII.]

Van vloken und sweren 37.

Und dewile gotliche majestatt dorch de mennich-
voldige floeke und sweren, so leider bisheer in ge-
wanheit gewest, grotlick to toerne beweget und 38 de
mensschen daran vorargert, willen wy alle de, so mit
vorgedachten mode ut lutteren moetwillen by Gades

dat vor uns vorgaten ys... usw. (Penborgsche Kol-
lektaneen, Bl. 26 v; vgl. E. Meiners, 117. 126). Vgl.
auch. oben S. 361, Anm. 11.

32 = Zeichen; vgl. oben S. 301, Anm. 6.

33 Die Überschrift ist in der Druckvorlage von anderer

Hand (E. Beningas Hand) dazwischengeschrieben.
Sie fehlt bei Meiners. 34 Meiners: und.

35 An der traditionellen Vorstellung von der immer-
währenden Jungfräulichkeit Marias hielt Luther fest;
vgl. J. Köstlin, Luthers Theologie II 2. 1901, 136;
R. Schimmelpfennig, Die Geschichte der Marien-
verehrungim deutschenProtestantismus. 1952, 13 f.;
W. Delius, Luther und die Marienverehrung, in:
Theol. Literaturzeitung 1954, 411. 413; H. D.
Preuß, Maria bei Luther (Schr. d. Ver. f. Refor-
mationsgeschichte Nr. 172). 1954, bes. 11ff. 26;
J. Weerda, RGG 3 IV, 767ff. (Lit.).

36 Vgl. hierzu Reichspolizeiordnung von 1530, Tit. II:
... Wo jemands schmählich... wider die mutter Chri-
sti, unsers seligmachers, redet oder die lieben hei-
ligen freventlich lästert, der oder dieselben sollen
darum an leib oder gut, nach gelegenheit und ge-
stalt solcher freventlicher lästerung durch dieselbe

almechticheit, barmherticheit, liden, doepe, sacra-
menten, marter, wunden und dergeliken sweren, an
lyff und leven straffen 39.

[IX.]

Van ebrock 40.

Wy willen ock de, so in oeffentlichem eebrock
gefunden weerden, dorch unsen commissarien und
andere vorordenten richteren to Embden nach lut
der keyserlichen rechten 41 na gelegenheit an oer
gudt und lyff straffen laten.

[X.]

Willen ock, dat alle eesake, so sick twistich eder
twivelachtich vorgeven in unsen landen, to Embden
voer unsen commissarie und vorordenten richteren
vorhoert und gescheiden schoelen werden.

[XI.]

Van uprichtunge der scholen 42.

Dewile to plantinge eines fridsamen christliken
und borgerliken wesendes geleerder luide nottruff-
tigen, so willen wy mit gotlicher hulpe to Emden
eine schole uprichten, desgeliken to Norden 43, mit
gueden, geleerden schulmeisteren, de in latynsscher
und grekesscher sprake de joeget leren konnen und
moegen, dat im lande nottruftige, geleerde luiden
wesen können.

oberkeit, der das gebührt, gestrafft... werden (Koch -
Senckenberg, aaO. 2. Th., 334); auch das schon
genannte sächsische Ausschreiben von 1531, Seh-
ling I, 179f.

37 Die Überschrift ist wiederum von anderer Hand
(E. Beningas Hand) dazwischengeschrieben. Bei
Meiners fehlt sie.

38 Druckvorlage: „und“ steht zweimal.

39 Vgl. hierzu Reichspolizeiordnung von 1530, Tit. IV:
Von gottsschwüren und flüchen... (Koch-Sen-
ckenberg, aaO. 2. Th., 335); auch das säch-
sische Ausschreiben von 1531, Sehling I, 180. Vgl.
auch Gutachten, oben S. 392 (Van warsscuppen und
kindelberen.).

40 Hier verhält es sich ebenso wie bei Anm. 33 und 37.
- Vgl. zu den Bestimmungen dieses Artikels Ein-
leitung, oben S. 355.

41 Vgl. KO von 1529, oben S. 368 mit Anm. 75; Gut-
achten, oben S. 392 mit Anm. 7.

42 Die Überschrift ist von anderer Hand (E. Beningas
Hand) dazwischengeschrieben. Meiners hat sie nicht.

43 Vgl. KO von 1529, oben S. 368 mit Anm. 73; dazu
Einleitung, oben S. 355 f.

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