Reitzenstein, Richard; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1912, 12. Abhandlung): Zur Sprache der lateinischen Erotik — Heidelberg, 1912

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Zur Sprache der iateinischen Erotik.

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eine 'ehrbare Frau', das zweite ais an eine Hetäre gerichtet fahte,
so finde ich in letzterem davon keineriei Andeutung. Denr Gatuli
hat Lesbia (Clodia) ein /oedMS vorgeschiagen und ver-
sprochen, treu zu sein; Properz schlägt in dem ersten Gedicht einer
Darne von Stand ein Verhältnis der vor: wodo s/ίί
/ADi.s M^MYCMS. /i&cs ero' Mos^ros pMe^u ztoros. Ich wiii
nicht betonen, dah auch in dem Wort ^oros ein Ankiang an die
Sprache der Hochzeitsiieder vorliegt; die ausschliehliche Betonung
der Treue häit beide Lieder zusammen, sodann die wundervolle
Eleganz leichter Verführungskunst, endiich die Einheit der Situation.
Enthält das erste Gedicht die Aufforderung, in sein Haus zu komrnen,
so schildert das zweite den Dichter in der Erwartung dieses Kom-
mens. Zwischen beiden iiegt nur die Antwort der Frau mit der
Angabe der Zeit; wir können verstehen, warum der Dichter sie
ausgelassen und zwei selbständige aber doch zusammenhängende
Elegien geformt hat. Das /oe(/M$, von welchem er in der zweiten
spricht, ist das /oedMS cMTMciAue.
Biicken wir von dem reaiistischen Liederpaar in ill 30 auf
II 15 zurück, also auf das Hohe Lied sinnlicher Leidenschaft. Auch
in ihm handelt es sich, wie wir sahen, um die pTMTMa %03?, auch in
ihm spricht Properz von ewiger Treue; seibst ein ianges Piaudern
vor der völiigen Erhörung wird erwähnt. Aber der Dichter meidet
jede direkte Hindeutung auf ein /oedMS, ja schlieht durch v. 37—40
den Gedanken an dessen konventioneiie Form sogar aus. Wie eine
Himmeisgabe, nicht wie ein für die Zukunft verbürgtes Reclrt soli
diese Seligkeit erscheinen. Das Empfinden hat sich seit Catuiis
Zeit gewandeit, das /oedMS ist zur Liaison geworden.

Die bei CatnH.
Die Wendung /oedMS MMMc/Aue, die uns bei Catuii begegnet
und bei Properz ais übiich vorausgesetzt wird, braucht an sich
keine individuell römische Färhung zu haben. Jene früher angeführte
Stelle des Dichters Dioskorides: ορκος ό πίθτήν Άρσινόης ϋέμενος
Σωσίπάτρψ φΑίην (oben S. 14) würde Brauch und Bezeichnung ge-
nügend erklären, wenn es auch auffällig ist, wie seiten mmc^m
von erotischen Verhäitnissen gebraucht wirdA^) Nur wenn andere

^3) An des Kailimachos Epigramm A. P. V 6 : ώμοσε Καλλίγνωτος Ίωνίδΐ
μήττοτε κίίνης eEeiv μήτε φίλον κρέσσονα μήτ^ φίλην und an 'Des Mädchens
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