Braune, Wilhelm; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1916, 11. Abhandlung): Reim und Vers: eine wortgeschichtliche Untersuchung — Heidelberg, 1916

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WlLHELMBnAUKE:

Eucharius Eyering: du/'m/// &r /öu' zuw Am'g// .S'p/'/cA?: w.ucA ?u?/'
ei/r ccrM m/^ d/e^cr ^c^cA/cAö
Aber noch weiter kommen wir, wenn wir nicht von der Grund-
bedeutung von r//?r, 'Vers' d. i. Winzelvers' ausgehen, sondern
A^on der spätmhd.Anwendung des Sing. r//r/ auf das zusammen-
gehörige A^erspaar, vgl. oben S. 13. 15 u. 21. Indem das Factitivum
rfme/r dann auch auf diese neue Bedeutung des Stammwortes
bezogen wurde, konnte es neben der Grundbedeutung ^Verse
macheA auch heißen 'ein Verspaar machen', afso 'zwei Verse zur
Einheit des Verspaars verbinden'. Diese Bedeutung des Zusam-
menbringens, des Verknüpfens konnte dann die Grundlage geben
für die im 16. Jahrhundert so ahgemein und weit ausgedehnte
übertragene Amvendung für ein "verbinden', Anpassen' jeder
Art. Und wenn dann in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
Puschmann einige Male zu /////dc/? afs synonymum ode/' /'eime//.
setzt, so kann dem in der Tat jene übertragene Bedeutung von
/'ef///e//. zugrunde liegen. Alan könnte immerhin auch zu jener
Zeit schon an eine Einwirkung des französischen Sprachgebrauches
denken, welcher /i'///e/' an die abgeleitete Bedeutung von frz. /-/'///e
anschloß. Aber der bis auf Opitz ungestörte Gebrauch des deut-
schen /'e///? als 'Vers' erweckt dagegen doch Bedenken.
7.
Wii' haben die Geschichte des Wortes mhd. /'////, nhd. /'e////
vei'folgt, wie sie sich seit Ende des 12. Jahrhunderts in der deut-
schen Entwicklung abspielt. Es bleibt nun noch die Frage nach
der lderkunft und Vorgeschichte des Wortes zu beantwoi'ten.
Damit untrennbai' verbunden sind die gleichbedeutenden altfrz.
/'////e, prov. /'/'/?/ und /'///?/?, welche zeitlich demAuftretendes
mhd. r//// vorangehen.
Die Ansichten über die viel erörterte Etvmologie des Wortes
lassen sich auf zwei Grundformen bi'ingen. Die eine nimmt als
Quelle das mlat. /'Z/yi!///////^, /'P/////^, /'/'c//?//^ (= versus rhythmicus)
an, wofür schwerwiegende sachliche Gi'ünde sprechen. Sie hat
von Anfang an viele Anhänger gehabt. Ich nenne z. B. ScHMEL-
LER, Bayr. Wb.3 (1836) 86 f. (^2, 93ff.), KoBERSTEiN, LTgesch.
S. 37 ('ein Wort, dessen Ursprung aus dem lateinischen /7/?/^//-
////z.y jetzt wohl allgemein angenommen wird'), WACKERNAGEL,
Litgesch. U S.74, ZARNCKE, Mhd. WT.2, 703'h Die andere, zuerst
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