Liebich, Bruno [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1919, 15. Abhandlung): Zur Einführung in die indische einheimische Sprachwissenschaft, 2: Historische Einführung und Dhātupātha — Heidelberg, 1919

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Bruno Liebich:

Das Prätisäkhya ist ursprünglich und in der Hauptsache nur
die Formulierung und Ivodifizierung der im Padapätha zutage
geförderten Erkenntnisse.
Yäska’s Nirukta.
24 Y. ist von Säkalya durch einen ziemlichen Zwischenraum
getrennt. Er zitiert aus dessen Padapätha, wobei er das Verbum
ins Perfektum setzt (cakära, VI, 28), ein Beweis, daß er ihn nicht
mehr persönlich gekannt hat. Ebenso kennt er den Padapätha
zum Sämaveda (IV, 4), der gewdß erst in Nachahmung von Säka-
lya’s Werk ausgearbeitet wurde, nennt an mehreren Stellen Gärgya,
der nach der Tradition der Verfasser dieses Padapätha war, und
bemerkt (I, 17), daß die Pärsada’s aller Schulen auf dem Pada-
pätha beruhen. Pärsada ist aber ein älterer Name für Prätisäkhya;
es gab also schon vor Yäska (und folglich um so mehr vor Sau-
naka) theoretische Bearbeitungen des Padapätha. Das dritte Buch
des Aitareya - Äranyaka mit seinen altertümlichen, aber anschau-
lichen Namen für Samhitä-, Pada- und Kramapätha (Nirbhuja,
Pratpnna und Ubhayam antarena, d. i. mit ausgestreckten Armen,
fortgestoßen und zwischen beiden) dürfte zeitlich zwischen Säkalya
und Yäska zu stellen sein.
25 Y. teilt die Wörter der Sprache in vier Klassen. Aus der
Art, wie er davon spricht, ersehen wir, daß diese Vierteilung
nicht erst von ihm selbst herrührt, wenn auch ihr Urheber nicht
genannt wird. Die beiden ersten Klassen führt er regelmäßig
kollektivisch auf, die beiden letzten als Vielheiten: nämäkhyäte
copasarganipätäs ca (I, 1. 12). Sodann aber steht näman im
Kompositum nämäkhyäte nur als das kürzere Glied voran (alpä-
etaram, Pan. II, 2, 34). Die Keike lautet also bei ihm in Wirklich-
keit: Verbum, Nomen, Upasarga’s und Partikeln, und demgemäß
geht auch seine Definition des Verbums der des Nomens voran.
Das Verbum, äkhyätam, wird von ihm definiert als bhävapradhäna
'ein Werden als Hauptbegriff enthaltend5, die Nomina als sattva-
pradhäna (sattva = Ding). Das Nomen verbale wird von ihm schon
vom Verbum abgetrennt (mürtam sattvabhütam sattvanäma-
bhir, vrajyä paktir iti), der Begriff des Verbums ist von nun an
auf das Verbum finitum eingeschränkt, und auch hier im folgenden
stets in dieser Beschränkung zu verstehen. Die Namen äkhyäta
und dhätu werden von ihm ohne scharfen Unterschied gebraucht.
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