Liebich, Bruno [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1919, 15. Abhandlung): Zur Einführung in die indische einheimische Sprachwissenschaft, 2: Historische Einführung und Dhātupātha — Heidelberg, 1919

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Zur Einführung in die ind. einh. Sprachw. II. 47
Wie die Pratyähära’s vermeidet der Verfasser des Ath. Pr.
auch manche andre Kunstausdrücke Panini’s, vermutlich als zu
speziell der Vaiyäkarana-Sprache angehörig, z. B. sagt er für ku,
cu, it, üt nach älterer Weise kavarga, cavarga, Ikära, ükära; dies
wird besonders deutlich in Fällen, wo er Panini kopiert; vgl. I, 74
mit P. I, 1, 19, III, 40 mit P. VI, 1, 78. • Daß er aber die pani-
neische Bezeichnung kennt, zeigt er unabsichtlich, wenn ihm ge-
legentlich ein tutva für Zerebralisierung entschlüpft (IV, 74).
Anubandha’s sind ihm wohlbekannt, und er verwendet lauter
panineische: saw I, 86, vasw I, 88. IV, 35, sun II, 97, un III, 4,
matu III, 17. IV, 17. 47, tatil IV, 20, vatw IV, 48. Besonders
bezeichnend für das gegenseitige Verhältnis ist schließlich, daß
diese Anubandha in seinem System keine Rolle spielen und bei
ihm auch nicht erklärt werden, beides im Gegensatz zu Panini.
60 Wieder anders verhält es sich mit dem Taittirlya-PrätLäkhya,
dessen Verfasser zwar auch nachpanineisch ist, sich aber außerdem
vom grammatischen Sästra deutlich und absichtlich fernhält. Die
vielen sonst unbekannten Lehrernamen, die darin zitiert werden,
weisen auch örtlich auf andern Ursprung (Dekhan?). Doch kennt
der Verfasser Panini: I, 38 — 40 ist = P. I, '2, 29—31; I, 58 -
P. I, 1, 72; X, 24 = P. VI, 1, 125. Lopa, lupyate, aprkta, vikära,
avarna = a ä a3, alles wie bei Panini. Die Mimäriieaka’s werden
zitiert (I, 5). Spät ist pragraha (IV, 1) für pragrhya aller andern
Autoritäten.
61 Da das Rktantravyäkarana, das Prätisäkhya des Sämaveda,
schon von seinem Entdecker und Herausgeber Burneil in der Ein-
leitung nach Stil und technischen Ausdrücken als jüngstes von
allen erwiesen worden ist, ein Beweis, zu dem ich nichts hinzu-
zufügen brauche, so ist damit nach dem Vorhergehenden auch
die Frage nach seinem zeitlichen Verhältnis zu Panini beantwortet.
Da es noch nicht den kürzeren Ausdruck Visarga verwendet
(visarjanlya 3. 112. 115), so muß es immerhin älter sein als die
Päninlya-Sik$ä und als Hemacandra (vgl. im ersten Teil S. 15).
Der Päninlya-Dhätupätha, 7
62 Unser Streifzug durch die vorpanineische Literatur hat uns
manchen Einblick in den langsamen, fast organisch zu nennenden
Werdegang der indischen Sprachwissenschaft tun lassen. Es bleiben
aber für den Dh. einige Vorfragen, über die wir wohl Aus-
kunft wünschten, bevor wir an den Text selbst herantreten.
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