Fehrle, Eugen; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1920, 11. Abhandlung): Richtlinien zur Textgestaltung der griechischen Geoponica — Heidelberg, 1920

Page: 12
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1920_11/0012
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
12

Eugen Fehrle:

Stelle von Becjkhs Ούιργίλιος mit Sicherheit Κουΐντίλιος zu schreiben
ist, was ja auch die Hss. nahelegen. Daß nur einer der beiden
Brüder genannt ist, braucht nicht zu befremden. Das findet sich
auch sonst.
In II 49 wird auseinandergesetzt: δτι χαλκεας και τέκτονας
και κεραμέας έν τοΐς άγροΐς έχειν δει ή πλησίον. Βάρωνος. Die
Autorenangabe stimmt hier.1 Denn die Stelle geht auf Varro,
R. r. I 16, 4. Der erste Abschnitt der Geoponica lautet, wie ihn
L. überliefert und ich ihn für richtig halte: Τό εις τάς πόλεις τής
κατασκευής ένεκα τών εργαλείων τους γεωργούς έρχεσθαι, ασύμφορον.
ή τε γάρ τών εργαλείων χρεία συνεχώς ύπερτεθεΐσα εμποδίσει τοΐς
γεωργοΐς. ή τε εις την πόλιν συνεχής επιδημία άργότερον τό έργον
ποιήσει. Die übrigen Hss. und mit ihnen die Ausgaben haben
άργότερον ποιεί. Das muß man auf den Landwirt beziehen. Dann
würde man aber nach dem vorausgehenden γεωργοΐς den Plural
erwarten. Außerdem steht bei Varro nicht, daß der Landwirt
durch das Fehlen der Handwerker und die dadurch hervorgerufene
Unterbrechung der Arbeit lässiger werde,' sondern das Gesinde.
In den Geoponica ist der ganze Abschnitt gekürzt: der Landwirt
hat Schaden, die Arbeit leidet allzusehr not. Wir werden also
die Lesart von L aufnehmen. Sie ist vielleicht ein leiser Anklang
an Varros Worte: ne de fundo familia ab opere discedat ac pro-
festis diebus ambulet feriata potius quam opere faciundo agrum
fructüosiorem reddat. Mit der Lesart von L haben wir außerdem
am Schlüsse der drei Abschnitte des Kapitels dieselben Klauseln:
έργον ποιήσει — άγροΐς ή πλησίον — κεράμων ευρήσεις.2
IV.
Der letzte Herausgeber der Geoponica, Beckpi, war der An-
sicht, daß die Überlieferung dieser Sammlung auf einen verlorenen
Archetypus zurückgehe, dessen Hauptvertreter ein Florentinus
LIX 32, ein Marcianus 524 und ein Laurentianus XXVIII 23
seien. Pasquaii hat3, anschließend an ein Lemma über Demokrits
Brunnenanlagen in einem Basiliusscbolion, das sich deckt mit
Geop. II 6, aber älter ist als die letzte Redaktion der Geoponica
unter Konstantinos Porplryrogenetos, Beckhs Hypothese bestritten,

1 Vgl. meine Stud. z. d. gr. Geop. 25 f.
2 Andere Textverbesserungen in meinen Stud. 17 f. und 12, 2.
3 Nachrichten der Gött. Ges. d. Wiss., philos.-hist. Kl. 1912, 212 ff.
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften