Meister, Karl; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1924/25, 3. Abhandlung): Die Hausschwelle in Sprache und Religion der Römer — Heidelberg, 1925

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Karl Meister:

indem er ihm die Bedeutung 'in der Höhe schwebend, am Himmel
befindlich' verlieh. So konnte er sublimen rapere für die Ent-
rückung des Romulus verwenden, ähnlich wie der Grieche sagte
μετέωρος αίρεται (Ar. pax 80 von dem zum Himmel fliegenden
Trygaios), μετάρσιος άναπτόμενος (Ar. av. 1383 von Kinesias, der
zu den Wolken emporschweben möchte), άφικνεΐ μετέωρος υπ’
αύρας (Kratinos frg. 207 K.). Auch ύψοΰ und seine Verwandt-
schaft, das wir in der Originalstelle des hoc sublimen candens
fanden, w7ar geeignet, die Bedeutungserweiterung zu vermitteln;
bezeichnete es doch auch seit alter Zeit den Begriff des Hochge-
hobenen wie den der himmlischen Höhe1. Das gleiche gilt von
ανω. Durch die Anlehnung an μετέωρος, ύψοΰ und άνω wird
nun auch erklärt, daß sublimen usw. nicht mehr nur die Richtung,
sondern auch den Ort bezeichnen kann: In den drei griechischen
Wörtern liegt ja sowohl der Begriff des Wo ( in der Höhe’) wie
des Wohin (cin die Höhe’), während den altlateinischen Ortsad-
verbien dieser Doppelsinn sonst nicht eigen ist.
Λ^οτα Standpunkt der Leute aus betrachtet, denen ennianisches
Latein2 geläufig ist, erscheint nun die S. 6 f. besprochene Miles-
stelle in neuem Lichte. Hier bringt der Dichter die übliche Wen-
dung rapite sublimen foras, aus der man zunächst das übliche
reißt ihn (über die Schwelle) heraus’ entnehmen wird, aber er
fährt mit grotesker Übertreibung fort: facite inter terram atque
caelum ut siet 'laßt ihn zwischen Erde und Himmel schweben’.
Ist das nicht eine Umschreibung des eben genannten sublimen
rapite, freilich eine Umschreibung der Bedeutung, die uns aus
Cicero und Vergil geläufig ist und die wir jetzt zuerst bei Ennius
finden? Da nun einerseits die Interpretation 'in die Höhe’ auf
die anderen Plautusstellen nicht anwendbar ist, Plautus auch für
diesen Begriff (mag es sich um Himmelshöhen oder andere Höhen
handeln) ganz andere Ausdrücke hat3, andrerseits die halbe Über-
1 Vgl. Ilias 12, 383 ό δ’ αρ’ ύψόθεν εμβαλ.’ άείρας (μάρμαρον) mit Ilias 10, 16
ύψόθ’ έόντι Διί oder Hesiod ορρ. 551 (αήρ) ύψοΰ ύπέρ γαίης αρθείς άνέμοιο
θυέλλμ.
2 Sollte wirklich keine der Tragödien des Ennius älter sein als der Miles
(S. 37,1), so müßte man annehmen, daß einer der älteren Tragiker unserem sublimen
ferre die Bedeutung von μετέωρον α’ίρειν u. dgl. gegeben hätte.
3 Mil. 1150 quom ex alto puteo sursum ad summum escenderis, Ba. 571
tollam ego ted in collum atque intro liinc auferam, Mo. 1133 ego ferare faxo ...
in crucem, Men. 144. tabulam pictam . . . ubi aquila Catamitum r aper et aut ubi
Venus Adoneum, Ps. 841 is odos dimissis manibus in caelum volat.
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