Meister, Karl; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1924/25, 3. Abhandlung): Die Hausschwelle in Sprache und Religion der Römer — Heidelberg, 1925

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Die Hausschwelle.

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zur formalen wie zur semasiologischen Veränderung zuerst unab-
hängig voneinander aufgetreten sind und im weiteren Verlauf der
Entwicklung sich gegenseitig begünstigt haben.

8. Neubildungen und Bedeutungsentlehnung
bei Cato und Ennius.
Unser Wort ist, freilich in neuen Formen, auch in der alt-
lateinischen Prosa vorhanden, und zwar sowohl in der kunstvoll
ausgearbeiteten, wie in der stilistisch formlosen. Für beide ist
uns Cato der einzige Repräsentant. Er gibt uns mehrere Belege,
einen aus dem II. Buche des Origines, das nicht vor 170 v. Chr.
verfaßt sein kann (Leo, RL I, 291), die andern in der Schrift
über den Landbau, die nach seiner Zensur geschrieben ist und
vielleicht in seine letzten Lebensjahre fällt1. Welcher von ihnen
der älteste ist, können wir nicht sagen.
1. Agr. 70, 2 gibt Cato das Rezept eines Trankes, der Rindern
eingegeben werden soll, um Erkrankungen vorzubeugen. Dann
heißt es: Haec omnia sublimiter legi teri darique oportet, ieiunus siet
qui dabit . . . bosque ipsus et qui dabit facito ut uterque subli-
miter stent.
Agr. 71 wird ein Heiltrank für erkrankte Rinder beschrieben,
der aus zerriebenem Lauch in AVein besteht. (Der ihn zubereitet),
sublimiter terat et vaso ligneo det, bosque ipsus et qui dabit subli-
miter stet, ieiunus ieiuno bovi dato.
Augenscheinlich wird hier ein Analogiezauber angewandt, der
die Wirkung der Medizin verstärkt oder gar ermöglicht2. Damit der
Trank recht wirke, muß nicht nur das Tier, sondern auch der
Mensch, der es behandelt, nüchtern sein (im ersten Fall wird
dies nur für ihn vorgeschrieben). Und damit das Rind nicht
(tot oder krank) niederfalle, muß es aufrecht stehen, wenn es den

1 Wellmann, Die Georgika des Demokritos, Abh. Preuß. Ak. 1921, Nr. 4,
S. 41.
2 Über die Sympathiemittel, die Cato c. 102 beschreibt, Wellmann a. a. 0. 41.
Sympathetische Kuren mancher Art verzeichnen Wuttke, Der deutsche Volksaber-
glaube i. d. Gegenwart (Bl. 19033), S. 321 ff., v. Hovorka-Kronfeld, A^ergleichende
Volksmedizin (Stuttg. 1909), 873 ff., Sartori, Sitte u. Brauch II (Lpz. 1911), 126 ff.,
jedoch ist mir keine bekannt, die sich mit den oben besprochenen bei Cato genau
vergleichen ließe.
Sitzungsberichte der Heidelb. Akademie, phil.-hist. Kl. 1924/25. 3. Abh. 3
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