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Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste [Contr.]; Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Österreichische Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Cucuel, Ernst [Oth.]; Eckert, Hermann [Oth.]
Die Deutschen Inschriften (Band 1 : Heidelberger Reihe ; Band 1): Die Inschriften des badischen Main- und Taubergrundes: Wertheim-Tauberbischofsheim — Stuttgart: Druckenmueller, 1969

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https://doi.org/10.11588/diglit.53141#0014
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der Heidelberger Akademie unternommen, keine Folge gefunden, erneuerte ich ihn 1933, wobei
ich hoffte, zugleich mit der Heidelberger Akademie auch die Schwesterakademien zur Mitarbeit
anregen zu können. Eine Denkschrift, die ich der Heidelberger Akademie vorlegte, wurde von ihr
angenommen und am 25. November 1933 an die übrigen deutschen Akademien weitergereicht mit
dem Vorschläge, sich zu der Arbeit zu vereinigen, die in ihr angedeutet war. Da das gegenwärtige
Unternehmen von dieser Denkschrift den Ausgang genommen hat, mag ihr wesentlicher Inhalt
hier wiederholt werden.
„...Die Inschriften des deutschen Mittelalters sind in lateinischer und deutscher Sprache verfaßt.
Man könnte leicht auf den Gedanken kommen, zunächst lediglich eine Sammlung der Inschriften
in deutscher Sprache zu unternehmen. Man brauchte so in wirtschaftlicher Notzeit nicht gleich die
gesamte, höchst ausgedehnte Aufgabe in Angriff zu nehmen, könnte aber doch schon einen bedeu-
tenden Teil der mittelalterlichen Inschriften in wissenschaftlich gesicherter Form der Öffentlichkeit
zugänglich machen; einer ganzen Anzahl von Fachgebieten wären damit wertvolle Quellen
erschlossen. Die deutsche Sprachwissenschaft erhielte aus diesen Denkmälern eine Bereicherung
ihres Stoffes, der eigentümliche Vorzüge darin besitzt, daß er zum großen Teile sicher lokalisiert ist.
Ihr ist weiter wichtig, zu sehen, wann das Deutsche in diese Inschriften eindringt, wann, wo, wie-
weit es die Oberhand über das Lateinische gewinnt; sie ist gespannt, zu erkennen, wann, wieweit
wo zuerst die bodenständigen mundartlichen Formen in den Inschriften durch schriftsprachliche
abgelöst werden, ein besonders auf niederdeutschem Boden wichtiger Gesichtspunkt. Die Literatur-
wissenschaft hat an diesen Inschriften Anteil zu nehmen, weil sie nicht selten nach künstlerischer
Form drängen, öfter geradezu aus Literaturwerken — etwa Freidank oder Frauenlob oder Bibel-
übersetzungen — entnommen sind; mit gutem Fug hat das Hamburger Bibelarchiv letzthin
schon zu einer Sammlung einschlägiger Inschriften aufgerufen. Daß die politische, die Kirchen-
und Rechtsgeschichte, die Kunst- und Kulturgeschichte, die Volkskunde aus Sammlung und
Erforschung dieser Inschriften mannigfachen Nutzen ziehen könnten, bedarf keiner Ausfüh-
rung.
Allein theoretische Überlegungen wie praktische Erfahrung zeigen rasch, daß eine gesicherte Aus-
nutzung der deutschen Inschriften zu geschichtlicher Erkenntnis ohne die gleichzeitige Erforschung
der lateinischen gar nicht möglich ist. Das deutsche Inschriftenwesen wandelt in den Spuren des
lateinischen und zeigt sich in Form und Inhalt von ihm abhängig. Und so kann ebensowohl das
Inschriftenwesen als Gesamterscheinung nur erkannt werden, wenn man die Gesamtheit der In-
schriften übersieht, wie eine zuverlässige Ausdeutung der Einzelinschrift nur in solcher Gesamt-
kenntnis ihren rechten Grund erhält. Nur so auch würde die ganz im argen liegende Epigraphik
des Mittelalters festen Boden und endlichen Antrieb erhalten; auch die allgemeine Paläo-
graphie könnte aus dem Unternehmen Nutzen ziehen... Die Zahl der in Betracht kommenden
Inschriften ist freilich nicht gering, die zu lösende Aufgabe nicht eben einfach. Die größte Ausbeute
werden die Grabmäler ergeben. Bedeutend ist die Zahl der Inschriften auf Bau- und sonstigen
Kunstwerken kirchlicher und profaner Art, auf Denksteinen, Plastiken, Wand-, Tafel- und Glas-
gemälden, Teppichen und Truhen, Fliesen und Kacheln, auf Elfenbeinen, Schmuckstücken, Waffen,
auf Glocken, Maßen, Münzen und Siegeln usw. Eine noch nicht abgeschlossene Sammlung der
deutschen Inschriften Badens vor 1620 läßt deren Zahl, Münzen und Siegel nicht mitgerechnet, auf
etwa 1200 schätzen. Die Zahl der lateinischen wird, bei gleicher Abgrenzung, mindestens ebenso
hoch anzunehmen sein.
Das alles verlangt sorgfältige und kundige Aufnahme durch Abschrift nicht nur, sondern regel-
mäßig auch durch Abbildung, wohl auch Abklatsch oder Nachbildung anderer Art, verlangt Samm-
lung, Veröffentlichung, Deutung. Jüngere Gelehrte würden hier angemessene und erziehliche
Beschäftigung finden; auch könnte manche unter verwandten Gesichtspunkten unternommene
Aufnahmearbeit mit in den Dienst des Unternehmens gestellt werden. Das Wort Mittelalter dürfte
dabei nicht eng genommen werden. Für die deutschen Inschriften verlangen sprachliche Gesichts-
punkte eine Aufnahme der Denkmäler bis etwa 1620, ein Datum, das besonders durch das sorg-
fältig zu beobachtende Eindringen der hochdeutschen Schriftsprache in die Inschriften auf nieder-
deutschem Boden gegeben ist. Hier wie in sonstigen Punkten dieser Denkschrift könnten Abände-

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