Fussman, Gérard [Oth.]
Die Felsbildstation Thalpan: 3. Katalog Thalpan (Steine 196 - 450) — Materialien zur Archäologie der Nordgebiete Pakistans, Band 8: Mainz, 2007

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EINLEITUNG

Gegenüber von Chilas, dem Verwaltungszentrum der Provinz Diamar, erstreckt sich vom jenseitigen Ufer des In-
dus bis zum nördlich angrenzenden Berghang über einige Quadratkilometer der nach dem gleichnamigen Ort be-
nannte Felsbildkomplex Thalpan. Er umfaßt einige tausend Gravuren, daher wurde die Publikation auf mehrere
Materialbände angelegt, ln einem abschließenden Band sollen die beschreibenden und auswertenden Beiträge zum
gesamten Material folgen. Da wie diese auch die topographischen Gegebenheiten sowie die Forschungsgeschichte
alle Materialbände betreffen, wird, um zwangsläufige Wiederholungen zu vermeiden, ihre Erörterung ebenfalls
dem letzten Band Vorbehalten bleiben.
Die Gliederung des Materials in den ersten Bänden erfolgt nicht nach inhaltlichen, sondern im wesentlichen nach
geographischen Gesichtspunkten. Eine inhaltliche Gliederung verbietet sich schon aus dem Grund, daß damit die
Felsbilder und Inschriften teilweise einer subjektiven Wertung unterzogen würden.
Bei in wesentlichen Publikationen bereits veröffentlichten Inschriften und bildlichen Darstellungen dieses Fels-
bildkomplexes wurde in der Rubrik "Veröffentlichung*" entsprechend darauf verwiesen. Frühere vorläuEge Be-
zeichnungen wie "Thalpan 1" und "Thalpan-Dorf' bzw. "Thalpan 2" wurden nicht beibehalten.
Der im vorliegenden Band behandelte Teil des Felsbildkomplexes Thalpan beinhaltet die Steine 196 bis 450. Sie
konzentrieren sich einerseits zu beiden Seiten des Kiner Gah bis hinauf zu seiner Mündung sowie andererseits auf
das als Lalesh bekannte Gelände (Abb. A-F, Karten 1-4).
Insgesamt sind in dem vorliegenden Band ca. 2000 Gravuren erfaßt. Von diesen sind etwa 275 Inschriften und
zwar, bis auf eine in Kharosthl geschriebene und eine sogdische Inschrift, ausschließlich in Brähml geschriebene
Inschriften.
Wie ein Blick auf den Themenindex sofort deutlich macht, überwiegen bei den Darstellungen mit etwa 500
Beispielen mit Abstand die Bauwerke (überwiegend Stupas). Wie bereits in MANP 7 bemerkt, Enden sie sich in
keiner anderen bereits veröffentlichten Felsbildstation in dieser Anzahl und Proportion.
Bei den Inschriften fallt auf, daß sie zwar im wesentlichen über die Steine verteilt sind, sich andererseits
Eläufungen auf den Felsen 348 und 372 Enden. Ersterer Stein ist offensichtlich irgendwann die steile Böschung
hinabgestürzt, letzterer liegt an einem alten Weg, der über den Kiner Gah zum Brückenkopf von Thalpan führte.
Nur eine Inschrift (226:4) enthält die Formel 'Nrwm N;<7<7Mv<3" "Verehrung dem Buddha!", und etwa zehn In-
schriften lauten: "Dies ist die religiöse StiEung des...". Etwa 50 InschriEen können der räumlichen Nähe zu Bau-
werken (meist Stupas) wegen als Beischriften gewertet werden, selbst wenn sie die entsprechende Weiheformel
nicht enthalten. Dank der digitalen Bearbeitung der Fotos ließen sich eine ganze Anzahl von Inschriften entziffern,
die ohne diese Bearbeitung nicht mehr zu lesen gewesen wären.
Überhaupt sind in diesem Teil des Felsbildkomplexes sehr viele Gravuren durch Sandschliff zu berieben und auch
auf dem digital bearbeiteten Photo zu undeutlich, um noch abgebildet werden zu können. Mehr als ein Viertel der
Gravuren blieben daher im vorliegenden Band ohne Abbildung. Es handelt sich allerdings in der Mehrheit dcr
Fälle - soweit erkennbar - um sehr schlichte, oE nachlässig ausgeführte einfache Gravuren. Viele weitere Ritzun-
gen sind überhaupt nur noch in Spuren auszumachen und konnten daher überhaupt nicht mehr dokumentiert wer-
den.
Auffallend ist hier wieder im Vergleich zum bereits veröffentlichten ersten Teil der Gravuren von Thalpan (MANP
6), daß sich hier erheblich mehr vermutlich von Einheimischen angefertigte Darstellungen lokalen Charakters

Für Hilfe und Hinweise bei der Erstellung des vorliegenden Bandes ist G. Bandini, H. Hauptmann, M. Honeck, S. Mühl, A.M.
Tahir herzlich zu danken.
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