Liebich, Bruno [Editor]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1919, 15. Abhandlung): Zur Einführung in die indische einheimische Sprachwissenschaft, 2: Historische Einführung und Dhātupātha — Heidelberg, 1919

Page: 29
DOI Page: Citation link: 
https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1919_15/0033
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
Zur Einführung in die ind. einh. Sprach w. II. 29
Nichtgrammatiker zu lehren (nävaiyäkaranäya nirbrüyät II, 3), so
werden wir doch zu der Annahme gedrängt, daß er selbst auf der
Höhe des grammatischen Wissens seiner Zeit gestanden habe, und
dann allerdings kann er nicht gleichzeitig mit oder gar nach
Panini gesetzt werden, dann läßt sich die Kluft zwischen beiden
nur historisch, also durch einen entsprechenden zeitlichen Vor-
sprung auf seiner Seite erklären.
Ein stilistischer Unterschied zwischen Yäska und Panini unter-
stützt diese Annahme. Panini bildet gleichmäßig inbezug auf
Verben, Nomina und Partikeln Bahuvrihi’s auf -artha: gati-, hiihsä-,
üna-, dura-, adhy-artha u. a. Ganz anders Yäska: er gebraucht
■niemals artha als Hinterglied in 'adjektivischen Kompositis,
sondern verwendet bei Verbalbegriffen -karman, sonst aber-arthlya:
gatikarman I, 7, himsäkarman I, 8 'die Handlung des Gehens,
des Verletzens bezeichnend’, vinigrahärthlya I, 3 als Bedeutung
von ni und ava, pratisedhärthlya I, 4 von na, evamartlnya
III, 1 usw. Der Sprachgebrauch Panini’s zeigt größere Geschmeidig-
keit der Sprache inbezug auf Bahuvrlhi-Bildung und herrscht in
der ganzen späteren Literatur. Ohne geradezu vedisch zu sein,
ist daher die Ausdrucksweise Yäska’s doch altertümlicher, und
liefert so einen vom Fachlich-Technischen unabhängigen, allgemein
sprachlichen Beweis einer gewissen zeitlichen Priorität Yäska’s
vor Panini.
35 Werfen wir nun zum Schluß einen Blick auf die Entwicklung
der etymologischen Wissenschaft zu Panini’s Zeit. Hier finden
wir nämlich den wesentlichen Inhalt des Nirukta im Unädi-Sütra
wieder; also auch hier ein kärtsnyam vyäkaranasya. Der auf-
fälligste Unterschied zwischen Nirukta und Unädi liegt in der
Gruppierung des Stoffes. Während Yäska sich streng an die be-
grifflichen Kategorien der Nighantu’s bindet, sehen wir im Un-
ädi Anordnung nach der Endung: zuerst kommen, wie der Name
besagt, Nomina auf -u, dann auf -ura, -isa, -ira, -ita usw., in
ziemlich bunter Reihe. Eine ältere Anordnung nach der Materie
schimmert durch, nammentlich gegen Ende; so, wenn wir im
letzten Kapitel hintereinander Namen von Körperteilen erklärt
finden: Bauch, Mund, Schulter, Nagel, Scheitel, Knöchel, Rippe,
Bart, Zopf, Schenkel, Hintern, Haar; oder etwas weiterhin in dem-
selben Kapitel unmittelbar hintereinander: Löwe, Tiger, schrecklich.
Candragomin hat dann, wie gewöhnlich, auch hier das Prinzip
Panini’s bis zu Ende durchgeführt, indem er auch die Suffixe
loading ...

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften