Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1920, 12. Abhandlung): Vom doppelten Sinn der sprachlichen Formen — Heidelberg, 1920

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I.

Vorerwägungen.
Bedeuten und Bezeichnen.
innerhalb unseres sprachlichen Lebens nehmen die Eigen-
namen eine ganz besondere, schwer zu beschreibende Stellung ein.
Wie man einen Eigennamen nicht „übersetzen“, sondern höchstens
in andere Lautformen übertragen oder durch, eine andere Bezeich-
nung des gleichen Gegenstandes ersetzen kann, so kann man auch
nicht von einer eigentlichen Bedeutung der Eigennamen sprechen,
oder vielmehr, wir unterscheiden das, was sie (etwa) als Worte
bedeuten, sehr wohl von dem Gegenstand, den sie bezeichnen.
Es bedarf daher zunächst einer Erwägung über den Gebrauch der
Worte bedeuten und bezeichnen.
Das Wort Haus hat eine einheitliche Bedeutung; diese ge-
währt zwar Spielraum für Unterarten wie Wohnhaus, Schulhaus usw.,
läßt sich aber in ihrer Einheitlichkeit genau erfassen und bestimmen
unter Zugrundelegen der allgemeineren Vorstellung Gebäude und
gewisser unterscheidender Merkmale. In diesem Sinne kann man
auch sagen, das Wort Haus bezeichne immer Gegenstände ein
und derselben Art. Aber andererseits kann ich mit dem Wort
das Haus oder dieses Haus die allerverschiedensten Gegenstände
bezeichnen, das heißt, sie gegenüber andern Gegenständen, die
nicht Häuser sind, kennzeichnen.
Das Wesentliche ist hier, wie man leicht sieht, der Zusatz
des Artikels oder des Demonstrativs. Man kann geradezu sagen,
daß dieses primär allein den Gegenstand „bezeichnen“ könne, ob-
wohl es ihn unmöglich „bedeuten“ kann, sodaß der Demonstrations-
vorgang sich in zwei Stufen aufbaut: dem Hinweis dieses und der
näheren Bezeichnung Haus, wenn der Hinweis nicht gleich richtig
verstanden wird. (Vergl. griech. ouxo<g — 6 avbpumoq, auxp ■— f] oiKia).
Rechnen wir allgemeinere Verwendungsweisen hinzu, wie er
hat mir das Haus bezeichnet, das er häufen will, so ergibt sich als
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