Jänecke, Wilhelm; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-Historische Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse (1927/28, 3. Abhandlung): Die drei Streitfragen am Grabmal Theoderichs — Heidelberg, 1928

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Wann ists gebaut ?
Wie Rats ausgeschaut ?
Was sprichts für’n Laut ?
Das neue Italien widmet seinen alten Bau- und Kunstdenk-
mälern eine besonders eifrige Pflege. In Ravenna hatte Corrado
Ricci schon 1907—dl durch Grabungen in den Gärten der Familie
Monghini und im sonstigen Gebiet zwischen via Farini und via
Alberoni Lage und Grundriß von Theoderichs Palast weitgehend
festgestellt. Hierbei gefundene Einzelheiten, besonders Stücke von
Mosaikfußböden, sind 1923 in den bekannten, an Stelle des Theo-
derichspalastes errichteten späteren Eckbau (fälschlich „Palazzo di
Teoderico“ genannt) an der via Alberoni übertragen, dessen nörd-
licher Treppenturm bei dieser Gelegenheit wiederhergestellt wurde.
Am Grabmal Theoderichs wurden 1918—19 die störenden Frei-
treppen von 1774—76 beseitigt. Die westliche Zugangsseite wurde
so abgegraben, daß man das Denkmal in voller Höhe sieht, eine
Rampe führt in sanfter Böschung hinunter in das Untergeschoß.
Das Wasser dort ist ganz entfernt und wenn es bei starken Regen-
güssen sich wieder ansammelt, wird es ausgepumpt. Denkmal und
Umgebung machen nicht mehr den verwahrlosten Eindruck wie
früher, sondern sind in vorbildlich pietätvoller Weise in einen
Ehrenhain für Krieger einbezogen1. Funde von Bedeutung wurden
hierbei nicht gemacht, auch die von mir 1911 erneut angeregten
Grabungen nach Grundmauern des benachbarten Klosters, zu
dessen Kirche Santa Maria Rotonda das Denkmal ehemals den
Chor bildete, nicht wieder aufgenommen. Immerhin hat man den
Eindruck, als wenn die wissenschaftliche Erforschung der Streit-
fragen bei dem rätselhaften Bau nach diesen erneuten Beschäfti-
gungen an Ort und Stelle in einen neuen -—■ vielleicht letzten —
Abschnitt treten (Abb. 1).
Während das Charakterbild des gewaltigen Germanenfürsten
mit eingehendster Wissenschaftlichkeit längst festgestellt ist2, ist
1 Ausgrabungsberichte im Bollettino d’Arte 1918-—19 z. T. leider ohne
Literaturangaben, auch in den neuesten Beschreibungen von Ravenna wie
Bertarelu, Guida d’Italia del Touring-Glub Italiano (Liguria-Emilia) vol. 2
Milano 1924; Corrado Ricci, Guida di Ravenna 6. ed. Bologna 1923; der
letzte Ausgrabungsbericht im „Gnomon“ Bd. 3., 4./2 v. Febr. 1927.
2 Vom älteren Schrifttum sei nur genannt Felix Dahn, Die Könige der
Germanen, Würzburg, A. StüberBuchhdlg. 1866; von dem neueren Ludo Hart-
mann, Geschichte Italiens im Mittelalter, l.Bd., 1897, und das ausgezeichnete
Werk Pfeilschifters,Theoderich der Große, Mainz Verl. Kirchheim u. Co. 1910,
Weltgesch. i. Charakterbildern.

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