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Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste [Contr.]; Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Österreichische Akademie der Wissenschaften [Contr.]; Cucuel, Ernst [Oth.]; Eckert, Hermann [Oth.]
Die Deutschen Inschriften (Band 1 : Heidelberger Reihe ; Band 1): Die Inschriften des badischen Main- und Taubergrundes: Wertheim-Tauberbischofsheim — Stuttgart: Druckenmueller, 1969

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https://doi.org/10.11588/diglit.53141#0193
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können. Doch trifft die Schuld wohl eher eine schlecht geschriebene Vorlage, deren Zeichen der
lateinunkundige Gießer mit Hilfe seiner Buchstabenformen möglichst getreu wiedergab. Die un-
regelmäßigen Wortzwischenräume, ebenso das verdrehte h in hilf verraten freilich auch Unacht-
samkeit; auch das b in qvabrlngentesimo kann ein auf die verkehrte Seite aufgeklebtes d sein. — Die
Worttrennung durch Kannen findet sich auch in Nr. 439 und 444, einzeln auf einem Wappenschild
bei Nr. 457. Die Ähnlichkeit der Schrift, die selbe Unregelmäßigkeit der Reifen und die gleiche
Haubenform lassen darauf schließen, daß die folgende Glocke (Nr. 444) vom. selben Gießer stammt.
Kdm. IV, 2 S. 223.

444

Kembach

(15. Jh.)

Kirche. FI. 70, Dm. 73, Schrift 2,5-3 cm.
+ mntfjebs $ lotjanneö 1 Ibtaö $ tnarcbö $
ivronirnbö $ ambroöibö ‘f abgbötmbö 1 georibö
Einzelne Buchstaben, wie das m und b in der
Mitte, zeigen das gleiche Verfahren der Schrift-
herstellung wie bei Nr. 441. Der Gießer ist wohl
der gleiche wie bei Nr. 443. — Der Wortlaut ist
ungewöhnlich. Während die Evangelistennamen
wegen ihrer magischen Kraft weit verbreitet sind (siehe Nr. 429), begegnen nach den Glockenkunden
die Kirchenväter nie. Sie haben auch im Volksglauben nie die Bedeutung der Evangelistennamen
erlangt. Der ganzen Inschrift liegt darum weniger ein magischer Glaube zugrunde als vielmehr ein
Stück gelehrtes Wissen, daß in der kirchlichen Lehre den vier großen neutestamentlichen Kündern
des Gotteswortes die genannten vier Kirchenväter zur Seite stehen. Der Gießer selbst wird wohl
schwerlich der Urheber dieser Inschrift gewesen sein.


Kobe 1877 S. 42 - Kdm. IV, 1 S. 132 - Camerer S. 22.

445

Tauberbischofsheim

1448

Stadtkirche. H. 140, Dm. 141, Schrift 3,5-5,5
cm. Das Relief unter dem Schriftbeginn findet
sich auch auf der entgegengesetzten Seite.
oo o
9B anno bomini m rccc xlbuj inprofefto fanrti
kiliani # conplettom eft ijoc opbö # fbb ma
giftrtö cibibm # conrabo (toll # enbreö pbtner #
petro gebemer | # et magiftro fabrice fcilicet *
conrabo Ijeimbfarg # maria tcfj # [türm
toeter (tote idj # larob ftempfel gofj rnidj #
ananijapta * aXpfja * et * o


1448 am £cig (7.2?uli) vor bem beö 1)1. Äilian würbe biefeö SBerf voUenbet unter bcn Qoürgcrmeiflern Cünrab @tollz SnbreS
^utnerz Spctrue? Gebemer unb bem Gptte^au^mciftcr (nämlidp) Sonrab jpeimburg.
Die sehr sauber mit Hilfe von Formen gefertigte Schrift weist einige Unregelmäßigkeiten auf.
Das 0 von domini ist mit seinem zweiten Abstrich auf den ersten des m geraten, derart, daß dieser
doppelte Tiefe erhielt. Ähnlich liegt in completum das p auf dem 1. Die Stelle für das h in heiß ist
leer. Diese Fehler unterliefen beim Änfertigen des Mantels: die mangelhaft aufgeklebten Buch-
staben sind verrutscht bzw. heruntergefallen. — Die Namen Stoll und Heimburg begegnen auch
auf dem Sakramentshäuschen der gleichen Kirche vom selben Jahr 1448 (Nr. 490); vergleiche über
sie das dort Gesagte. - Der deutsche Teil der Inschrift ist in vielen Abweichungen weit verbreitet;
jeder der drei Verse kommt auch allein oder in anderen Zusammenhängen vor. Besonders häufig
nennt sich der Gießer in solchen Reimversen (siehe Nr. 455, 462, 467, 469, 471-476, 478, 479). -
Jakob Stempfel ist bis jetzt nur durch diese Glocke bekannt; nach der Schriftform stammt auch die
 
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