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Wolgast, Eike [Hrsg.]; Seebaß, Gottfried [Hrsg.]; Heidelberger Akademie der Wissenschaften [Hrsg.]; Kirchenrechtliches Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland [Hrsg.]; Sehling, Emil [Begr.]
Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts (1. Band = 1. Abtheilung, 1. Hälfte): Die Ordnungen Luthers, die Ernestinischen und Albertinischen Gebiete — Leipzig: O.R. Reisland, 1902

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https://doi.org/10.11588/diglit.26586#0696
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668 Die Kirchenordnungen. Die Städte und Ortschaften der ernestinischen und albertinischen Länder.

sie die zehen gebot, den glauben und gebet konnen,
sol er inen die nutzbarkeit des heiligen sacra-
ments, der tauf und altars predigen mit anzeige,
was sie dar in finden.
Ungebeicht und unerklagt irer gebrechen soll
der pfarrer nimand das sacrament reichen, auch
ane bewost der zehen gebot, den glauben und
vater unser.
Die dorfer sol er in 14 tagen auch ein mal
visitiren und darin den catecismum lernen.
Domit derselb nu an dem vleissiger sei, haben
wir im uber vorigs sein einkomen acht gulden
zugelegt halb uf Walpurgis und Michaelis aus
dem gemeinen kasten zuempfahen.
Einkomen uber die haushaltung und
vihezucht des pfarrers.

Schulmeister.
Sein einkomen ist.
Gemeiner kasten.
Soll allzeit ein gemeiner kasten sein, darein
geslagen allen forrat der kirchen und altar an
silber und ornaten, auch schuld der kirchen und
was sunst der kirchen an gutern und einkomen
zustendig etc. Also das ein kelch und zwei mess-
gewand, die besten, zum brauch der kirchen be-
halten, die andern messgewand sollen vorkauft und
das gelt in den gemeinen kesten gelegt, das
ander silberwerk vorwart in der sacristei bleiben,
davon ein schlussel dem ambtman der ander den
vorstehern gegeben werden.
Einkomen des gemeinen kastens.
Ausstehende schuld.

Schweinitz.
Schon 1524 soll hier deutsche Messe gelesen worden sein und als die Visitatoren im
Jahre 1529 dort eintrafen, hatte ihnen der Rath bereits durch Begründung eines gemeinen Kastens
vorgearbeitet. S. Burkhardt, Gesch. der sächs. Kirchen- und Schul-Visitationen, S. 38.
Eine Ordnung, welche die Visitatoren 1529 erliessen, steht in Dresden, H.St.A., Loc.
10598, Registration der Visitation 1529, Bl. P—6, und gelangt hiernach erstmalig zum Ab-
druck. Vgl. oben S. 41. (Nr. 147;)

147. Kirchen-Ordnungfür
[Aus Dresden, H.St.A., Loc.
Pfarrers ambt.
Alle suntag und fest im jare soll der pfarrer
morgens das evangelion nach ordnung der postillen
frue predigen; nachmittag einen ort des cate-
cismi und in der wochen aufs wenigst ein mal
der episteln eine nach der postillen ordnung
handeln und auslegen, ane das im in sein andacht
gestelt, dem volk auf andere tag ein lection aus
der heiligen schrift zuthun.
Und so er communicanten hat, soll er alle tag
suntag eine mess nach anleitung des buchleins
underricht der visitatorn intitulirt, mit singen und
anderm geburlich und unvorandert halten.
Die dorfer obgenannt als Ditmanstorf, Munch-
hofen, klein und grossen Korga sollen vorpflicht
sein alle suntag im stetlein predig zu horen und
wer es bedarf, das heilig sacrament des leibs und
bluts Christi doselbst zu empfahen.
Aber in der wochen der tag einen, welchen
die leut nicht pflegen zu markt auszuziehen, soll
er in der weitesten beder dorfer als Ditmanstorf,
klein und gross Korga und Munchhofen einem
den catechismum, nicht im krug sunder einem

die Stadt Schweinitz. 1529.
10598, Registration, Bl. 1 ff.]
andern ehrlichen ort winters in einer stube,
somers etwan under einem baume ufs einfeldigst
und furnemlichst handeln, auch ungeverlich zu
vierzehen tagen ein mal in der dorfer einem
dasselb vleissig und also treiben, das jung und
alt der gebot gottes, glaubens und gebets einen
vorstand fassen mugen. Derwegen er zuforderst
die jugent, desgleichen die alten des vorstands all-
weg eins oder zweier artikel unter einem sermon
fragen mag.
Schule.
Zu guter zucht der jugent, soll in der stadt
Schweinitz allweg ein redlicher und gelerter schul-
meister gehalten werden, der neben der schule
dem rat fur einen stadtschreiber diene und das
geleute, desgleichen die huet der kirchen in seinem
bevel habe.
Sein ambt soll sein die jugent, so im bevolen,
lesen, schreiben und beten zu lernen und weiter
zu der gramatik alles nach gestalter von unserm
freunde Philippo Melanchtoni ordnung zu brengen.
Die schuler zu jedem sermon zuchtig zufuren
 
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