Lehmann, Otto; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse: Abteilung A, Mathematisch-physikalische Wissenschaften (1912, 13. Abhandlung): Neue Untersuchungen über flüssige Kristalle, 2 — Heidelberg, 1912

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92(A. 13)

0. Lehmann :

zusammengesetzte schachbrettartige Aggregate^) Vorkommen, von
welchen Fig. 62 ein kleines Stück zeigt.

Y. Die Drehung der Polarisationsebene in flüssigen
Kristallen.
Eine Erscheinung, die mir hei flüssig-kristallinischen Stollen
bereits zu einer Zeit aufgefallen war, als ich die Existenz der
flüssigen Kristalle noch nicht erkannt hatte, ist die oft überaus
starke Drehung der Polarisationsebene. Die ersten Beobachtungen
machte ich an pseudoisotropen Schichten von Cholesteryibenzoat
und -acetat und Mischungen von solchen^), welche Schillerfarben
zeigen. Die Aufklärung in diesen Fällen ergab sich durch die
Entdeckung, daß die betreffenden Stoffe zwei flüssig-kristalli-
nische Modifikationen besitzen, die in einem von der Temperatur
stark abhängigen Gleichgewichtsmischungsverhältnis ineinander
gelöst sein können.3°) Weiter konstatierte ich sodann starke
Drehung der Polarisationsebene bei flüssig-kristallinischem Para-
azoxyphenetol und ähnlichen Stoffen bei Mischung mit wenig
Kolophonium A°) Die Photographie Fig. 63 zeigt eines der üb-
lichen Demonstrationspräparate"), bei welchem die Drehung ge-
rade 90° beträgt, so daß die dunkeln Streifen bei parallelen
(nicht gekreuzten) Nicols intensiv schwarz erscheinen. Eine be-
queme Übersicht über die Zunahme der Drehung mit der Dicke
der Schicht erhält man, wie ich weiterhin fand"), durch Ver-
wendung einer Linse als Deckglas. Indem mit zunehmendem
Abstand vom Zentrum die Streifen abwechselnd blaß, und wieder
intensiv dunkel werden, ergeben sich konzentrische dunkle Zonen,
wie sie die Photographie Fig. 64 zeigt, welche sich bei Drehung des
Analysators je nach dem Sinn der Drehung erweitern oder ver-
engen. Ursache ist jedenfalls die durch den Kolophoniumzusatz
hervorgebrachte Schrauhenstruktur, da an und für sich der Stoff

sp Ygi. 0. LEHMANN, Wed. ÜMM., 56, Taf. IV, Fig. 22; FZds.Mg'e
FWsPüüe, 1904, S. 41 ; D7e %ene IFeP der /^Mgg^yeM FödsäuPe, 1911, 371.
38) 0. LEHMANN, Leipzig 1889, Bd. II, S. 590.
39) 0. LEHMANN, PFT/säFfd. Ze77^e7;r., 72, 575, 1910.
") 0. LEHMANN, d. PF2/3., 667, 669, 1900.
44) 0. LEHMANN, PAysPcrd. Zc:/scAr., 26, 553, 1909.
42) 0. LEHMANN, d. PA?/s., 2<8, 808, 1905.
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