Lenard, Philipp; Heidelberger Akademie der Wissenschaften / Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse [Editor]
Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse: Abteilung A, Mathematisch-physikalische Wissenschaften (1914, 17. Abhandlung): Über Elektronen und Metallatome in Flammen: Bewegungsvorgaenge, Lichtemission — Heidelberg, 1914

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20 (A.17)

P. Lenard:

4. Reflexion der Elektronen an Molekülen; ungeordnete Elektronen-
gescliATindigkeiten.
In Teil I, S. 424 u. ff. wurde ecAte (d. h.
Reflexion von Elektronen an einzelnen Atomen) bei schnellen
Kathodenstrahlen als nicht vorhandene, bei langsamen Elektronen
als noch problematisch erklärt. Besonders in Flammen zeigte
sich nach bisheriger Kenntnis die Annahme von Elektronen-
reflexion als überflüssig und unbegründet (siehe Teil I, S. 423,
II S. 70). Dabei wurden die älteren Messungen der Wande-
rungsgeschwindigkeit (w = 1600 gek/ünll benutzt, von welchen
wir nun aber gezeigt haben, daß sie von der Wirklichkeit sogar in
der Größenordnung fern sind, wie auch im Teil II schon von
Anfang an hervorgehoben wurde (S. 54), daß die dort gezogenen
Schlüsse ,,sich auf experimentelle Resultate stützen, die in quantita-
tiver Hinsicht zur Zeit noch viel zu wünschen übrig lassen", und daß
,,der Hauptwert der entwickelten Gleichungen wohl in ihren zu-
künftigen Anwendungen liegt". Es lohnt sich jetzt bereits, diese
Schlüsse mit der neu gewonnenen Kenntnis über die Wanderungs-
geschwindigkeit zu revidieren, wozu noch kommt, daß nun auch
schon die numerischen Werte des nicht unwichtigen Verteilungs-
faktors (Teil II, S. 76) nach Herrn W. WEicxs Berechnung
vorliegen.
Ungeordnete Elektronengeschwindigkeit. — Wieder-
holt man die in Teil II, S. 59 für die ungeordnete Elektronen-
geschwindigkeit ausführlich angegebene Berechnung mit den
neuen Daten^, so findet man nur wenig veränderte Werte für a;
es ergibt sich:
dies als ein Anzeichen dafür annehmen, daß die wirkliche Wanderungs-
geschwindigkeit w nicht hoch über der angegebenen unteren Grenze zu
suchen sei, wenn nicht Herrn WiLCKExs Resultate dem widersprächen (vgl.
oben S. 18). Es sei noch bemerkt, daß die Wanderungsgeschwindigkeit
8000 den Schluß auf Elektronenreflexion nach unseren Gleichungen noch
immer unberechtigt erscheinen lassen würde.
Über das Nichtvorhandensein von echter Reflexion bei schnellen
Kathodenstrahlen und über die Erklärung der beobachteten, als ,,Reflexion"
gedeuteten Erscheinungen ist unterdessen eine besondere, demnächst zu
publizierende Untersuchung von Herrn O. DEvix fertiggestellt worden.
3i Als Grenze für die bisher konstatierten Abweichungen vom OHMSchen
Gesetz müssen wir noch dieselbe wie damals einsetzen.
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